"Die letzte Flut" fand ich schon, trotz der deprimierenden Beschreibung dieses unendlichen Leids, ein äußerst gelungenes Werk, vor allem lesenswert. Wie wichtig es ist, nicht auf alles zu hören, was Schriftsteller, Geschichtenerzähler und andere Personen erzählen, zeigt Baxter hier in diesem Roman ebenfalls in der Rolle der gespaltenen Persönlichkeit, Zane, auf. Vielleicht ein kleiner ironischer Seitenhieb, das alles, eben auch die ertrunkene Erde, ausdenkbar und mit entsprechenden Fakten belegt werden kann.
Zurück zum Buch. Baxter ist eine Gratwanderung gelungen. Im Prinzip müsste es ja ein total langweiliges Buch sein, denn eigentlich beschreibt es vom Thema her eine ewig lange Reise zu einer neuen Erde (Klappentext-pah!). Schon in "Die letzte Flut" gab es ja mehrere Archen, die für das Überleben einiger weniger Menschen und damit den Fortbestand unserer Rasse sorgen sollten. Das greift dieses Buch auf. Es fängt früher an, als der erste Teil endet und sorgt somit für einen Übergang. Neben einer großen Anzahl neuen Personen treten auch viele alte Bekannte auf.
Thema des Buches ist dann auch nicht nur die endlos lange Reise, sondern es geht viel mehr darum, den Kampf der einzelnen Charaktere ums Überleben zu beschreiben. Dabei treten alle hellen und dunklen Seiten der Menschheit zu Tage. Das ist nicht immer nett und so manchmal muss man schon innehalten und sich ernsthaft fragen, "warum sind wir so?" Doch wir sind wirklich so! Leider!
Ich würde trotz kleiner logischer Schwächen keinen Punkt in der Bewertung abziehen. Dass nach einer Reise, die 4 mal länger als geplant verläuft trotzdem noch Kaffee an Bord ist, erschließt sich mir nicht, vor allem da aus technischer Sicht noch keine "Replikatoren" erfunden wurden...
Doch da es nicht Inhalt des Buches ist, sich in technischen Dingen zu verlieren, sondern viel mehr der menschliche Makel, tun solcherlei logische Schwächen dem Lesevergnügen keinen Abbruch.
Es bleibt allerdings eher nur deshalb ein "Vergnügen", weil das Buch spannend und gut geschrieben ist. Der Griff zum Buch wird wieder zur Sucht, um den Verlauf weiter zu folgen. Das zeichnet für mich ein Buch aus, die Frage, "was lass ich lieber liegen und les weiter?" - bei dem Buch eine ganze Menge!
Empfehlung, wer "Die letzte Flut" gelesen hat, kann sich diesen zweiten Teil nicht entgehen lassen!