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Die kurze Geschichte der deutschen Literatur
 
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Die kurze Geschichte der deutschen Literatur [Taschenbuch]

Heinz Schlaffer
4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
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Heinz Schlaffer
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Produktbeschreibungen

Perlentaucher.de

Buchnotiz zu : Süddeutsche Zeitung, 26.02.2002
Ulrich Raulff preist dieses Buch als ein aufsehenerregendes Ereignis - ein Glücksfall der Germanistik - an, das in Fachkreisen bereits ein kleines Erdbeben ausgelöst haben soll. Nur 150 Seiten braucht der Germanist Hans Schlaffer, schwärmt Raulff, um zu erklären, warum die deutsche Literatur so wurde, wie sie war und wie sie ist, und warum vor allem ihre Geschichte so kurz ist. Nur Helmuth Plessners Schrift über die verspätete Nation lässt Raulff daneben gelten. Schlaffer hat die Form des Essays gewählt, das sich zwar an ein gebildetes Publikum, nicht aber an Spezialisten wendet. Etwas für Starobinski-Leser, Steiner-Konsumenten. Zur Blüte kam die Literatur für Schlaffer erst in der Weimarer Klassik, berichtet Raulff, weshalb der Dreh- und Angelpunkt seiner teilweise recht polemischen Betrachtungen die Geburt der Literatur aus dem Geiste des Protestantismus sei, so Raulff. Dass Schlaffers "geistesaristokratischer Duktus" auch Schwachstellen hat, wird Raulff bei der klassischen Moderne Anfang des 20. Jahrhunderts deutlich: hier neige Schlaffer eindeutig zu sehr dem Normativen zu und übersehe die Einflüsse der Humanwissenschaften oder des Films. Aber wann zuletzt, jubelt der Rezensent, hätte sich so vortrefflich über ein so "hochmütiges" Buch streiten lassen?

© Perlentaucher Medien GmbH

Buchnotiz zu : Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.03.2002
Das kleine Wörtchen "die" macht's, behauptet Hans-Jürgen Schings. Ohne das "die" im Titel hätte Schlaffer wohl wirklich eine Literaturgeschichte schreiben müssen, aber so verwandele sich das Projekt in einen Essay über die Kürze der deutschen Literatur, der vom "Privileg der Kürze" selber profitiere. Schlaffers 158-Seiten-Essay ist sprachlich brillant, gesteht Schings zu, obwohl er sich am Ende fragt, ob er mehr als eine Sammlung von guten Apercus gelesen hat. Zumindest ist "Die Geschichte der deutschen Literatur" nicht nur kurz, sondern auch kurzweilig, hält er fest, denn Schlaffer erledigt den gesamten Zeitraum vom vierzehnten bis zu Beginn des achtzehnten Jahrhunderts mit einer kleinen abfälligen Handbewegung. Kaum sei Schlaffer dann bei der einzig geltenden Weimarer Klassik angelangt - aus dem Geiste des Protestantismus -, stelle sich Kurzatmigkeit ein, kritisiert der Rezensent: Schlagwörter wie 'deutsche Tiefe' und 'Innerlichkeit' können ihn inhaltlich nicht überzeugen. Im Galopp werde dann in die klassische Moderne gesprungen und würden mal eben katholische und jüdische Autoren zu Anhängern eines "literarischen Protestantismus" erklärt. Am Ende klingt "Die kurze Geschichte der deutschen Literatur" recht freudlos aus, meint Schings, der vor allem eigene Lektüreerfahrungen des Autors vermisst.

© Perlentaucher Medien GmbH
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Pressestimmen

»So elegant er in seiner Polemik den Einmann-Abbruchunternehmer spielt, so nüchtern er klarstellt, dass mit dem Verdämmern der Klassiker auch das Ende echter Belesenheit gekommen sein dürfte: Im Grunde hängt Schlaffer viel zu sehr an der großen Literatur, als dass er auf sie verzichten könnte. Sein brillantes Büchlein, als cool-nostalgische ›Flaschenpost‹ in den Strom der Zeit geworfen, zeigt es auf jeder Seite – zwischen den Zeilen: Eigentlich, ganz eigentlich hätte Heinz Schlaffer wohl am liebsten Unrecht.«
Der Spiegel

»Es singen die Wasser im Schlafe noch fort, wohl wahr, aber man sollte sie ruhig hin und wieder mal aufwecken. Heinz Schlaffer hat es getan. Er hat es kurz und gut gemacht. Er lässt uns, indem er unsere Aufmerksamkeit dankenswerterweise nicht mit einem Tausend-Seiten-Opus okkupiert, sondern uns ein leicht verdauliches amuse-gueule zuwirft, Zeit, sie uns zurückzuerobern, jene deutsche Literatur der inneren Dringlichkeit, die auch für diejenigen, die meinen, auf sie verzichten zu können, bereit hält, in der Fülle des Wohllauts, was wir uns insgeheim alle wünschen: Freiheit und Glück.«
Die Welt

»Lässig schwingt Schlaffer das Stöckchen des geübten Causeurs, und seine zarten, gut gezielten Streiche treffen germanistische Traditionen wie Gepflogenheiten des bürgerlichen Theaterbesuches, die spezifische Untergangsverliebtheit deutschsprachiger Avantgarde wie die Dauerbereitschaft zum Sprachverbot und das Gewürge ums ›Deutschsein‹.«
Stuttgarter Zeitung

»Mit der Respektlosigkeit des klarsichtigen Forschers beschreibt Schlaffer eine Geschichte von Fremdeinflüssen und verlorenen Anfängen, von Abbrüchen und Neuanfängen, von einer diffusen langen Vorgeschichte und einem ersten Höhepunkt auf Weltliteraturniveau um 1770 bis 1830, gefolgt von einer kurzen ›Nachgeschichte‹ mit einem erneuten Höhepunkt von 1900 bis 1950, und dann, behauptet Schlaffer, war Schluss. Eine ›kurze Geschichte‹ eben. [...] Wirkungsvoll genug: das Deutsche an der deutschen Literatur ist für einmal gedacht worden.«
Cord Barkhausen, Die Zeit

»Die Betonung liegt auf deutsch, und deutsch ist die Verbindung von Pietismus und Antike, wie sie in der Klassik zum Ausdruck kam. In einer nachholenden Bewegung wurde so die deutsche Literatur, die zuvor nur eine schwächliche Nachahmung fremder Muster zustande gebracht hatte, zur Weltliteratur. Zwar hat Schlaffer leichte Probleme, die katholischen Romantiker und jüdischen Österreicher seiner Definition unterzuordnen, aber der glänzend geschriebene Essay hat den Vorzug, aus einer unhaltbaren These haltbare Einsichten zu gewinnen.«
Ulrich Greiner, Die Zeit

»Erst jetzt, nachdem einer der großen Philologen im Lande gegen den antiquarischen Geist seines Faches zu Felde gezogen ist, erkennen wir, wie staubtrocken und schwach die historisch-philologischen Disziplinen geworden sind. Und bitten jetzt, der polemische Essayist, der den Staub der Germanistik aufwirbelt, möge Nachahmer in anderen Fächern finden. Man stelle sich vor: ein Buch wie dieses aus der Mitte der Historie oder der Philosophie – nicht auszudenken, das Glück.«
Ulrich Raulff, Süddeut­­schen­­ Zeitun­­g

»Mit trotzigem Freimut bekennt Schlaffer sich zur ›radikalen Aufklärung‹. Einer solchen sind in der deutschen Literatur aber beinahe ausschließlich Geister zweiten Ranges zuzurechnen. Das erklärt vielleicht Schlaffers Frustration als Germanist. Es mag ihm mit der Germanistik gehen wie Prousts Monsieur Swann mit seiner einstigen Liebe Odette, als er erkennt, dass er seine ganze Leidenschaft für eine Frau verschwendet hat, ›die nicht sein Genre war‹.«
Martin Mosebach, Süddeut­­schen­­ Zeitun­­g

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
20 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Dieses Buch muss man ganz einfach mögen, schon allein wegen Schlaffers Bemerkung, seine "Kurze geschichte der deutschen Literatur" sei so kurz, dass ihrem Leser Zeit bleibe, sich wieder der deutschen Literatur zuzuwenden, "der dieses Buch sein Dasein verdankt".

Fast alle Kritiker Schlaffers haben ihn missverstanden. Wer nicht einzelne Werke oder Autoren vorstellt, sondern die geistesgeschichtlichen Hintergründe, die sie verbinden, skizziert, dem darf man nicht vorwerfen, dass er diesen oder jenen Autor nicht erwähnt habe. Und dass Schlaffer die deutsche Literatur vor Lessing als nicht relevant abtut, hat nichts damit zu tun, dass er deren Qualitäten nicht zu schätzen weiß: Aber weder ein Wolfram von Eschenbach noch ein Andreas Gryphius haben eine Tradition begründet, auf die spätere Jahrhunderte aufbauen konnten. Das ist keine neue Erkenntnis, über die man zu streiten hätte: Schon Heinrich Heine nannte Lessing in seiner "Romantischen Schule" den "Stifter der neuern deutschen Originalliteratur".

Dass die deutsche Literatur mit dem Jahr 1950 ende, ist natürlich eine polemische Überspitzung, aber wenn man unsere Nachkriegs-Nobelpreisträger Grass und Böll neben Thomas Mann, Robert Musil oder Franz Kafka stellt, dann wird wohl jeder verstehen, was Schlaffer gemeint hat. (- Deutschland hat 1933-1945 seine besten Köpfe entweder vertrieben. Das konnte nicht folgenlos bleiben.)

Die Beobachtungen, die er über die er über die Blütezeiten der deutschen Literatur macht (1770-1830 und 1900-1950) streben ebenfalls keine Vollständigkeit an, sondern versuchen zu verstehen, warum gerade in diesen Zeiten die deutsche Literatur sich so entwickelte, wie wir sie kennen. Er tut das mit dem Blick des Komparatisten und kann so äußerst plausible Thesen über das spezifisch Deutsche der deutschen Literatur aufstellen. Der Bildungsroman und das liedhafte romantische Gedicht sind nun einmal Spezialitäten der deutschen Literatur.

Eine letzte Bemerkung noch zu Schlaffers ebenfalls umstrittener Behauptung vom Einfluss der Religion auf die deutsche Literatur. Alle europäischen Literaturen sind von Autoren geprägt, die dezidiert als Christen Literatur verfasst haben: Dante in Italien, Racine in Frankreich, Milton in England. Die zahlreichen Pfarrersöhne der deutschen Literatur greifen jedoch die Sprache der enthusiastischen Gottesunmittelbarkeit auf, um sie der neuen Religion der Poesie zu widmen. Dass sie damit eine völlig neue Sprache in die Poesie brachten, wurde überall in Europa verstanden - und nachgeahmt: Die europäische Romantik orientierte sich am ihr vorangegangenen deutschen Vorbild.

Schlaffer hat ein elegantes, spannendes und unterhaltsames Essay geschrieben, das jeder Freund der deutschen Literatur mit Gewinn und Genuss lesen wird. Dass man sich an manchen Stellen ärgern kann und widersprechen möchte, das gehört sicher zu den Qualitäten dieses Buches: Schlaffer hat es geschafft, die Germanistik wieder ins Gespräch zu bringen.

War diese Rezension für Sie hilfreich?
10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Lesenswert 30. Mai 2002
Format:Gebundene Ausgabe
Heinz Schlaffers Buch stellt, schon in Bezug auf den quantitativ eher bescheidenen Umfang, eine erklärte Provokation der germanistischen Fachgemeinschaft dar. Entgegen der Tendenz zur immer weiter anschwellenden Spezialliteratur legt der Autor eine "kurze Geschichte der deutschen Literatur" in Form eines Essays auf 158 Seiten vor. Seine Hauptthese besteht darin, daß die eigentliche Blütezeit der deutschen Literatur im Unterschied zu den europäischen Nationalliteraturen wie Frankreich oder Italien kurz gewesen sei. Unterschieden wird zwischen einer ersten Hochphase von ungefähr 1770-1830 (die klassisch-romantische Epoche) und einer zweiten Phase von 1900-1950. Schlaffer vertritt dabei die Ansicht, daß die deutsche Literaturproduktion ganzer Jahrhunderte (so des 15. und 16. Jahrhunderts) ohne Relevanz ist und deshalb heute auch nicht mehr gelesen werden muß (S. 35 f.); für die Zeit nach 1950 ruft Schlaffer das "Ende" der deutschen Literatur aus (S. 132 ff.).
Natürlich kann man dem Autor den Vorwurf machen, daß er seine kurze Geschichte nur auf Kosten von erheblichen Aussparungen und Verkürzungen schreiben kann. Auf der anderen Seite ist es Schlaffer dadurch möglich, übergreifende Strukturen und Zusammenhänge der Genese der deutschen Literatur sichtbar zu machen, die in konventionellen, detailorientierten Literaturgeschichten nicht zu finden sind, und Überlegungen anzustellen, die innerhalb des literaturwissenschaftlichen Diskurses als ungewöhnlich gelten können. Interessant sind beispielsweise die vom Autor angeführten Gründe dafür, warum die mittelhochdeutsche Literatur für die Werke späterer Epochen in keiner Weise traditionsstiftend gewirkt hat (S. 22 ff.), oder die Herleitung der Literatur der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts aus der protestantisch-pietistischen Sprache (S. 54 ff.). Ob die christliche Religion tatsächlich über Jahrhunderte hinweg von entscheidendem Einfluß auf die deutsche Literatur gewesen ist - und sei es nur zu dem Zwecke, die Religion durch die Ästhetik abzulösen und die Kunst in einen quasi-metaphysischen Rang zu erheben - ist sicher einer der streitbarsten Diskussionspunkte der Publikation. Auch die Überlegungen zur Literatur des 20. Jahrhunderts vermögen nicht immer zu überzeugen. Dennoch: Wer einen intelligenten, vom Common Sense der wissenschaftlichen Gemeinschaft abweichenden Beitrag zur deutschen Literaturgeschichte lesen will, kommt an Schlaffers Buch nicht vorbei.
Andreas Rabe M.A.
War diese Rezension für Sie hilfreich?
9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
Der Titel lässt aufhorchen: Nicht " E i n e " , nein " D i e kurze Geschichte der deutschen Literatur" wird hier dargestellt. Und dass die deutschsprachige Literatur "nur" zwei relativ kurze, verglichen mit anderen Literaturen verspätete Blütezeiten erlebt hat, legt Heinz Schlaffer auf nüchtern-pointierte Weise dar. Dabei umschifft er mit Bravour die Klippen von Selbstmitleid auf der einen und Glorifizierung auf der anderen Seite. Anhand vieler Beispiele zeichnet Schlaffer die Entwicklung der deutschen Literatur nach, wobei er zum einen das Mittelalter entzaubert, dem seiner Ansicht nach eine echte Hoch-Literatur deutscher Sprache schlichtweg fehle, und er zum anderen den Pietismus und das protestantische Pfarrhaus als Wiege unzähliger Dichterkarrieren überzeugend darstellt. Kurzum: Ein Buch, das sich mit seinen gut 150 Seiten - fundiert und faktenreich, aber nicht theorieüberfrachtet - als ein Crashkurs in deutscher Literaturgeschichte liest.
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