Wolf Lotter hat eine neue Salve gegen unser industrialistisches Denken abgefeuert: Zusammen mit Gastautoren enttarnt er die hilflosen Versuche von Command&Control Industrieunternehmen, in der Wissens- und Kreativwirtschaft anzukommen.
Erster Satz:
"Revolutionen, so scheint es, sind stets Umbrüche mit klaren Konturen. Auf den ersten Blick, doch eigentlich war keine einzige so."
Daraus leitet sich das Anliegen dieses Werkes ab: Es will uns darauf hinweisen, dass die kreative Zerstörung und der Ersatz sich lange hinziehen werden. Das soll aber kein Grund sein, zu resignieren. Resignieren müssen die, die vom Industrialismus wirklich abhängig sind und sich derzeit schamlos die Taschen vollstopfen, so lange noch etwas da ist: Industriemanager.
Ich fand folgenden Test zur Unterscheidung von Kreativen und Nicht-so- kreativen interessant:
Zwei Gruppen sollen aus einem über Kopfhörer vorgelesenen Text die eingestreuten, nicht zum Kontext passenden Wörter rausfinden und zählen. Nicht angekündigt wurden wechselnde, fremde Störgeräusche. Die erste Gruppe stammt aus der Industrie, in der nach strengen Ansagen und Regeln gearbeitet wird. Die andere Gruppe besteht aus Künstlern und Designern.
Ergebnis:
Die erste Gruppe lässt sich von den Störgeräuschen nicht ablenken, ihr Filtersystem "hemmt" alles, was ablenken könnte und nicht zum Auftrag gehört ("Disziplin"). Die Kreativen dagegen liefern falsche Ergebnisse. Sie ließen sich von den Geräuschen -aus Neugier- leicht ablenken bzw. "stören".
Jetzt kann jeder mal überlegen, ob er sich eher zu den "Gehemmten" oder den "Gestörten" (Lotter) zählt.
Wir treffen auch andere "Concerned" People in diesem Werk: Mathias Horx' Begegnung mit dem verzeifelten Investmentbanker hat mich sehr angesprochen. Gesa Ziemer hingegen kommuniziert leider sehr unverständlich im Wissenschaftsjargon, der es interessierten Laien schwer macht, ihre Gedanken nachzuvollziehen.
Aufschlussreich hingegen der Aufsatz von Herrn Felixberger. Er empfiehlt: Je unschärfer die Aufgabenstellung, desto heterogener sollte das Team für die "kreative Lösung" sein, damit möglichst viele Aspekte der Situation erkannt werden können. Je konkreter die Aufgabe, desto weniger "diverse" sollte das Team sein. Denn nun braucht man vor allem Spezialisten, die ihr Handwerk verstehen.
So oder so, es hilft mir immer, von diesen unermüdlichen Agenten der Kreativwirtschaft zu lesen. Wir brauchen sie und ihr Wort. Damit wir nicht in Versuchung geraten, zurück in die alte Industriedenke zu fallen.
Der Vorwurf meiner Vorrezensentin, die Kreativen seien schuld an der New Economy Krise gewesen, und seien nun auch noch Schuld an der gegenwärtigen Industriekrise, zeigt wieviel Aufklärungsarbeit noch zu leisten ist. Genau hier setzen Wolf Lotter und Kollegen mit ihrem Werk an.