Die kreative Partnerschaft
Um der Ausbreitung eines Missverständnisses vorzubeugen: es handelt sich nicht um eine Neuauflage von Die neue Partnerschaft", sondern um ein ganz neues Buch.
In diesem Buch hat Theo Schoenaker die von ihm bisher beschrittenen konzeptuellen Wege keineswegs verlassen, sondern er hat sie weiter ausgebaut. Grundlage des Buches ist also weiterhin die Individualpsychologie, und der Mensch in Ehe und Partnerschaft wird als Gemeinschaftswesen betrachtet, das verantwortlich für seine Handlungen ist und nicht Opfer seiner Triebe, sondern bewusster und unbewusster Gestalter seines Lebens.
Die einleitenden Kapitel des neuen Buches zeigen die vorherrschenden Grundprobleme von Ehe und Partnerschaft auf und beschäftigen sich mit dem Geheimnis des Sich-Verliebens (das in der Individualpsychologie allerdings gar nicht so geheimnisvoll vor sich geht).
Das Zentrum des Buches bilden dann das 3-Faktoren-Modell und das Kapitel über Sexualität. Danach lautet die Überschrift Noch mehr Praxis", und hier werden eine Fülle von bewährten Übungen zur Verbesserung der partnerschaftlichen Kommunikation dargestellt.
Eine ganz zentrale Aussage des Buches liegt für mich im 3-Faktoren-Modell, denn, wie Theo Schoenaker schreibt, Übungen, Methoden und Techniken allein (können) das eheliche Glück nicht sichern, ... auf den Geist kommt es an" (S. 199). Deshalb stehen hier 3 grundlegende Haltungen im Vordergrund.
Und schon sind wir bei den 3 Faktoren angekommen. Was ist eigentlich eine gute Ehe?", fragt die LeserIn, und Theo Schoenaker antwortet: Verbindlichkeit, Zuneigung und Kennenlernen. Dies sind, und diese Metapher finde ich sehr treffend, ... die Leuchttürme, die uns zur Liebe zurück helfen, wenn wir auf stürmischer Ehe-See die Orientierung verloren haben" (S. 52).
Verbindlichkeit ist das Bewusstsein jedes Partners, seinen Teil der Verantwortung für die Erhaltung und die Qualität der Ehe zu tragen. Wer bereit ist, diese Verantwortung zu tragen, ist treu. Hat man sich einmal für diesen Partner entschieden, wird die Verbindlichkeit durch die sexuelle Beziehung und durch die Zuneigung hergestellt, wobei sich diese beiden Beziehungsaspekte gegenseitig bedingen und festigen.
Gefühle der Zuneigung, den zweiten Faktor, erreicht man durch Denken in Zuneigung. Aus individualpsychologischer Sicht ist das Fühlen eine Folge des Denkens. Hier schließen sich im Buch Ausführungen über Fehlerbezogenheit und Ermutigung an, die so detailliert und anschaulich gehalten sind, dass der Leser hier wirkliche Handlungsanstöße bekommt.
Und um Handeln geht es ja hier eigentlich. Vor dem Hintergrund der Erläuterungen zu Verbindlichkeit und Zuneigung formuliert Theo Schoenaker, was für ihn Liebe ist: Liebe ist Verbindlichkeit und Denken, Fühlen und Handeln in Zuneigung" (91). Worte haben also keine große Bedeutung und erst bestimmte Handlungen signalisieren Liebe.
Kennenlernen, der dritte Faktor einer guten Ehe, ist eine lebenslange Aufgabe. Folgt man den Aussagen des Buches, dann ist es eine Aufgabe, die nie komplett erledigt sein wird. Auch im Laufe eines langen Zusammenseins lernen die Partner sich nicht ganz und gar kennen, und erst recht nicht, wenn sie nichts Gezieltes dafür tun. Der Schlüssel zum Kennenlernen ist das Miteinander Sprechen (bewusste Kommunikation). Theo Schoenaker beschreibt Übungen, die bei der bewussten Kommunikation helfen und liefert umfassende Hintergrundinformationen wie ein Lebensstil (das, was man gegenseitig kennen lernen muss) wächst und strukturiert ist. Kennenlernen ist wichtig, weil es zum Verstehen führt und Verstehen ist wichtig, um die Zuneigung aufrechterhalten zu können.
Das abschließende Praxiskapitel richtet sich ganz gezielt auf die einzelnen Aspekte Verbindlichkeit", Zuneigung", Kennenlernen" und bietet hierzu Übungen an. Auch für die problematischere Ausgangslage, wenn schwerwiegende Konflikte vorhanden sind, ist ein eigener Übungskreis vorhanden. Die Anleitungen sind so leicht verständlich gehalten, dass Paare damit durchaus selbstständig arbeiten können. Für die Situationen, in denen so etwas nicht mehr möglich ist, zeigt Theo Schoenaker eine ganze Anzahl von im Sinne der Individualpsychologie arbeitenden Institutionen auf, an die die Betroffenen sich wenden können.
Die kreative Partnerschaft" ist ein echtes Schoenaker-Buch: geschrieben mit der Souveränität jahrzehntelanger Beratungserfahrung und angereichert mit warmer Freundlichkeit und Einfühlsamkeit. Der Leser erfährt eine Fülle nützlicher Informationen und wird auch gleich in liebevoller Weise auf den Weg des aktiven Handelns gebracht. Wem das nicht hilft - dem ist nicht mehr zu helfen.
Buchbesprechung von Dr. Roland Hartmann-Haase