Der Titel des Buches bezieht sich zu einem wesentlichen Teil auf künstlich belüfteten Hausbauten, mit oder ohne Wärmerückgewinnung. Darüber hinaus wird eine Lanze gebrochen für Einfachheit technischer Systeme, hier speziell bezogen auf Heizungssysteme. Es wird überzeugend deutlich gemacht, dass die heutigen Heizungskonzepte auf der Basis von Konvektion nicht optimal sind, weil Systeme auf der Basis von Strahlungswärme unterlegen. Auch wenn das Plädoyer viele Nebensächlichkeiten beleuchtet (die teilweise nicht mit dem jeweiligen Thema in Zusammenhang stehen - z.B. Zebrastreifen, trotz korrekten Infragestellens) hilft das Buch, eine kritischere Haltung in Sachen Heizung einzunehmen. Berechtigt scheint z.B. auch die Frage, ob die heutige lötfreie Kupferrohrverbindungstechnik dauerhaft stabil bleibt.
Leider muss auch gesagt werden, dass es Passagen gibt, die Einem zum Kopfschütteln bringen. Zum Beispiel die Aussage, dass alte Häusern aus den 20ern des vegangenen Jahrhunderts sparsamer waren mit Energie als heutige Wärmegedämmter Häuser. Er begründet das mit der Wärmespeicherkapazität dicker Ziegelsteinmauern (Sonnenwärme aus dem Sommer spendet im Winter Wärme). Schade, dass hier Zahlenmaterial (ich meine hier Verbrauchsdaten) fehlt, obwohl an vielen anderen Stellen Zahlen bzw. Berechnungen vorkommen. Es darf ruhig bezweifelt werden, ob Sonnenwärme über einen Herbst hinweg noch soviel Wärme im Winter übrig lassen.
Nicht nur aus diesem Grund wird Dämmung abgelehnt, sondern auch weil spätere Entsorgung desselben künftige Generationen belastet. Und: und das ist ganz wichtig: Der Autor hält die prophezeite Klimakatastrophe für einen großen Schwindel und die Ressourcen an Öl und Gas ausreichend für mindestens weitere 100 Jahre.
Hier muss festgestellt werden, dass das Buch eine unglückliche Reihenfolge aufweist. Wer dieses Buch liest, tut gut daran, zuerst hinten anzufangen: "Lesestoff" - hier wird die unübliche Verweissystematik erläutert; "Zum Mittelsatz" - hier wird begründet, warum das Buch nicht in Blocksatz gedruckt ist, und dann die Kapiteln ab S. 141.
Wer gleich die vorgegebene Reihenfolge zum Lesen verwendet, wird dieses Buch u.U. beiseite legen bevor er oder sie beim eigentlichen Thema landet. Wer durchhält wird sich durch eine Lektüre quälen mussen, die gekennzeichnet ist durch einen Rundumschlag gegen fast alles: Das EEG von 1976, das Holzhackschnitzeln, Pellets, Windenergie, Solarenergie, Emissionshandel, Klimavorhersagen, Verordnungen, Wasserstoff, k- bzw. U-Werte, Dämmung und Co., Passivhäuser.
Es muss gesagt werden: einige Punkte der Kritik sind berechtigt. Und bei manchen Themen war mir auch klar: Verrückt (z.B. bei übertriebenen Dämmforderungen oder der Energieausweis mit 2 Nachkommastellen). Weil es aber ein Rundumschlag ist, erweist der Autor sich einen Bärendienst. Wie soll er sich mit seinen Thesen Glaubwürdigkeit verschaffen, wenn es so geht?
Der Autor ist mit Sicherheit kein Scharlatan. Dafür ist er m.E. zu ehrlich von seinen Ansichten überzeugt. Es sind aber z.T. Ansichten mit schwerwiegenden Folgen für die konkrete Gestaltung technischer Systeme. So wird z.B. das Vorhandensein eines Treibhauseffektes in der Atmosphäre geleugnet, ja gar den CO2-Gehalt als *Folge* von Temperaturschwankungen dargestellt. Kombiniert mit der Überzeugung zu der ausreichenden Verfügbarkeit von Gas und Öl kommt er logischerweise zu der Schlussfolgerung, dass andere Heizungstechniken gar nicht interessant sind, etwa weil die Technik zu kompliziert ist.
Vollständigkeitshalber muss aber gesagt werden, dass der Autor prinzipiell dafür ist, wenn diese unsere Generation Ressourcen und Energie spart. Aber dann 2 Liter extra Ölverbrauch beim Besuch eines Schornsteinfegers als massenhafter Verschwendung zu charakterisieren ist weit hergeholt.
Weitere Punkte:
- Der Autor sieht förmlich überall Gespenster in Form von Lobbyisten, Firmeninteressen u.v.m., die bewerkstelligen, dass Häuser heute so aufwendig gebaut werden müssen.... Das durchzieht fast das ganze Buch. Uns wird auf allen möglichen Wegen Geld aus der Tasche gezogen, wegen Maßnahmen, der er gar nicht für angebracht hält. Zugegeben, bei einigen Sachen triff dies zu, und das hilft uns abermals, eine gesund kritische Haltung einzunehmen.
- Das Buch ist gespickt mit Leserbriefzitate, die willkürlich für seine eigene Zwecke herangezogen werden. Es ist genauso wie z.B. bei Bibelzitate, die von vielen Leuten so ausgesucht werden, dass sie in den eigenen Kram passen.
- Ebenso ist das Buch gespickt mit weiteren Zeitungsausschnitten. Krass ist z.B. Folgendes: Zeitung: "...Die Forscher berufen sich auf Schätzungen, wonach die Temperatur bis 2100 um bis zu 5,8°C steigen könnte". Kommentar des Autors: "Gute Forscher forschen, nur schlechte Forscher schätzen". Schätzen hat etwas mit Bandbreiten zu tun. Die wiederum mit Wahrscheinlichkeitsrechnung. Die Wahrscheinlichkeitsrechnung wird so völlig diskreditiert.
Fazit: gute Ansätze in dieser Lektüre; leider überwuchert durch ein Treten gegen fast alles, sodass die Glaubwürdigkeit leidet.