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Die kommende Gemeinschaft
Format: TaschenbuchÄndern
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23 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Interessante und vor allem innovativ-poetische Texte zur Politik sind heutzutage selten geworden. Vor allem in Deutschland wird man entweder von Habermas mit der üblichen sprachlichen Monotonie diskursethisch in den Halbschlaf gesungen oder Luhmannianisch mit pseudo-philosophischer Terminologie in die systemtheoretische Leichenstarre überführt, wie man sie sonst nur noch von Hegel kannte. Hier rächt es sich einfach, dass man über Jahrzehnte das französische Denken als Mode abgetan hat, und wichtige Denker des Politischen wie Maurice Blanchot, Jacques Ranciere, Gilles Deleuze, Etienne Balibar, Jean-Luc Nancy einfach verschlafen hat. Von hier her rührt auch das völlige Unverständnis her, dass sich immer wieder in Besprechungen der Bücher Agambens zeigt. Gerne wird hier die Rationalitätskeule ausgefahren, damit auch ja kein Leser aus seinem seligen Halbschlaf gerissen wird.

Mit Agambens Die kommende Gemeinschaft liegt nun endlich einer seiner wichtigsten politischen Texte auf deutsch vor, der einen anderen Weg des ethischen Denkens vorschlägt. Dieser Text ist trotz seines eingängingen Titels neben Kindheit und Geschichte (dt., 2004) und seinem Paulus Buch (dt, 2006) leider auch einer seiner terminologisch anspruchvollsten. Hier sollten also wirklich nur die hartgesottensten und wirklich in Sachen zeitgenössischer Theorie der Singularitäten und klassischer europäischer Philosophie (Scholastik, Mystik, klassische griechische Philosophie, sprachanalytische Philosophie, Existentialontologie, Spinoza usf.) eingearbeitete Leser zugreifen. Sonst wird dieses Buch schnell zum Quell von Frustrationen, denn obwohl Agambens Buch zum Teil wunderbare Reflexionen über Robert Walser, Bartleby, Hölderlin, Heidegger und Benjamin enthält, wird der Kern seines Buches nämlich die Theorie der Singularitäten - oder wie Agamben sagt: des beliebigen Seins - in der denkbar schwierigsten Terminologie artikuliert.

Um einen Eindruck der Gangart des Denkens zu vermitteln, sei kurz die Anfangspassage dieses Buches zitiert. Agamben schreibt auf der ersten Seite: Das kommende Sein ist das beliebige Sein. In der scholastischen Aufzählung der Transzendentalien (quodlibet ens est unum, verum, bonun seu perfectum) ist das Wort, das in keiner Weise mitgedacht wird, obgleich es die Bedeutung der aller anderen bedingt, das Adjektiv quodlibet. Die gängige Übersetzung im Sinne von gleichgültig, egal welches ist sicher nicht falsch, doch der Form nach besagt der lateinische Ausdruck das genaue Gegenteil: quodlibet ens ist nicht gleichgültig welches Seiende, sondern das Seienden, das allgemein beliebt, es verweist nämlich immer schon auf ein Belieben (libet): beliebiges Sein und Begehren stehen in einem ursprünglichen Verhältnis (p 9) und weiter: Das Beliebige ist das Mathem der Singularität, ohne das weder deren Sein noch deren Individuation gedacht werden kann. (p.21).

Ausgehend von dieser basalen These entfaltet Agamben nun in ähnlichem Schwierigkeitsgrad seine Theorie des Singulären. Wer sich durch das vorgängige Zitat also noch nicht verschreckt fühlt, sollte hier zugreifen, denn schwieriger wird das Buch gewiß nicht mehr, es hält sich etwas auf der Höhe dieses terminologischen Abstraktionsgrades. Zugreifen kann auch der Leser, der sich schon ein wenig mit der Theorie der Singularitäten aus der Logik des Sinns von Gilles Deleuze bzw. aus den Mille Plateaux von Deleuze / Guattari vertraut gemacht hat. Die anderen Leser sollten eher zu den etwas leichteren Texten von Agamben wie etwa Profanierungen (dt, 2006) oder Idee der Prosa (dt, 2003) greifen.

Aufgrund des extrem hohen Schwierigkeitsgrades möchte ich - obwohl das Buch natürlich ein Meilenstein des politischen Denkens darstellt - diesem Band nur 4 Sterne geben.
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11 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
"das wort droht sich von dem abzulösen, was es offenbart" formuliert der italienische philosoph giorgio agamben und möchte den MARXschen denkansatz bezüglich der ausbeutung von arbeitskraft erweitern um die beschreibung einer damit zusammengehenden geschickten entfremdung der sprache seitens der hierarchischen systeme. in einer streckenweise pulvertrockenen darstellungsweise, die wie millimeter-rücken anmutet und sisyphotisch in den irrgängen der logik schuftet, tastet sich agambin zäh voran. unverdaulicher, mit widerhaken versehener vortrags-stil, das kennen wir von kant bis heidegger, hindert aber die wirklichen philosophen nicht daran, beharrlich am ende des tunnels wieder in das licht leicht verständlicherer, gegenwarts-bezogener urteile einzutauchen: "die politik unserer tage ist jenes verheerende EXPERIMENTUM LINGUAE, das ideologien und religionen auseinandernimmt und entleert." angesichts der gegenwärtigen definitions- und propaganda-bemühungen auf seiten der USA als auch der islamistischen fundamentalisten wird deutlich, wie wichtig momentan agambens analysen sind. es ist zu hoffen, dass sein mut gegen den trend der offiziösen verlautbarungs-offensiven (aus denen "NACHRICHTEN" bedauerlicherweise oft nur noch bestehen) - dass giorgio agambens mut und unbeirrbare kritikfähigkeit eine wachsende zahl von lesern ansteckt, die zwischen maskerade und hintergründiger absicht, zwischen akzeptabler zielsetzung und gaunerhafter argumentation weiterhin unterscheiden möchten ...
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