Vor langer Zeit lebten in dem Ort Wippidu kleine Leute. Sie waren sehr glücklich und liefen den ganzen Tag mit einem freudig-fröhlichen Lächeln umher.
Wenn sie sich begegneten und sich begrüßten, überreichten sie sich gegenseitig kleine, warme, weiche Pelzchen. Von denen hatte jeder immer genug, weil er sie verschenkte und sofort wieder welche geschenkt bekam. Ein warmes Pelzchen zu verschenken, bedeutete für sie: Ich mag dich. So sagten sie einander, dass jeder jeden mochte. Und das machte sie den ganzen Tag froh.
Außerhalb des Dorfes lebte ein Kobold - ganz einsam in einer Höhle. Wenn ein Wippiduler ihm ein Pelzchen schenken wollte, lehnte er es ab. Denn er fand es albern, sich Pelzchen zu Schenken.
Eines Tages traf der Kobold einen Wippiduler, der ihn sofort ansprach: 'War heute nicht ein schöner, sonniger Tag?" Und er reichte ihm ein besonders weiches Pelzchen. Der Kobold schaute ihm in den Rucksack mit den Pelzchen, den jeder Wippiduler immer bei sich trug. Dann legte er ihm den Arm vertraulich um die Schulter und flüsterte ihm zu: 'Nimm dich in acht. Du hast nur noch 217 Pelzchen. Wenn du weiterhin so großzügig Pelzchen verschenkst, hast du bald keine mehr."
Das war natürlich vollkommen falsch gerechnet. Denn jeder Wippiduler hatte immer genug Pelzchen, da jeder jedem welche schenkte. Doch kaum hatte der Kobold den verdutzten kleinen Mann stehen lasse, kam schon sein Freund vorbei und schenkte ihm ein Pelzchen. Doch der Beschenkte reagierte nicht wie bisher. Er packte das Pelzchen ohne Gegengabe ein und sagte: 'Lieber Freund, ich will dir einen Rat geben. Verschenke deine Pelzchen nicht so großzügig. Sie konnten dir ausgehen."
Bald gaben sich immer öfter Wippiduler diesen Rat. So kam es, dass Pelzchen nur noch an allerbeste Freunde verschenkt wurden. Jeder hütete seinen Pelzchenrucksack wie einen Schatz. Sie wurden zu Hause eingeschlossen, und wer so leichtsinnig war, damit über die Straße zu gehen, musste damit rechnen, überfallen und beraubt zu werden. Die kleinen Leute von Wippidu veränderten sich immer mehr. Sie lächelten nicht mehr und begrüßten sich kaum noch. Keine Freude kam mehr in ihr trauriges und misstrauisches Herz.
Erst nach langer Zeit begannen einige kleine Leute wie früher kleine, weiche, warme Pelzchen zu verschenken. Sie merkten bald, dass ihnen die Pelzchen nicht ausgingen und dass sich Beschenkte und Schenkende darüber freuten. In ihren Herzen wurde es wieder warm, und sie konnten wieder lächeln, auch wenn die Traurigkeit und das Misstrauen nie mehr ganz aus ihren Herzen verschwanden.
21x18,5 cm, mit Kinderzeichnungen von Heike & Jörg
mit einem echten Pelzchen auf dem Umschlag,
Reihe bibliofidel numero 1