Der Untertitel "Tipps und Tricks für kleine und große Probleme..." erweckt den Eindruck, als würden hier Patentrezepte weitergegeben und die Schatzkiste berge eine Sammlung von einfachen Möglichkeiten, in der Beratung und Therapie schneller voran zu kommen... Dem ist in keiner Weise so. Vielmehr enthält diese "kleine Psychotherapeutische Schatzkiste" (Warum wird hier eigentlich psychotherapeutisch groß geschrieben?) eine breit gestreute und bunte Mischung an hilfreichen Interventionsmöglichkeiten, wie sie in beraterischen und familien- oder psychotherapeutischen sinnvoll und wertschätzend genutzt werden können.
Also keine Schnellstraßen-Konzeption, sondern eher eine klare Orientierungshilfe, im Labyrinth des "Alltagsgeschäftes der Beratung" Sackgassen und große Umwege zu vermeiden. Anfänger/-innen in der therapeutischen Arbeit sollten die Lektüre gründlich vornehmen und sich nicht scheuen, vertiefende (Lehr-) Bücher bzw. praxisnahe Aus- und Fortbildungen begleitend zur Hilfe zu nehmen. Für berufserfahrene und gegebenenfalls schon weitergebildete Therapeuten/-innen und Berater/-innen dient das Buch als Erweiterung und Vertiefung der Kompetenzen sowie zur Auffrischung bekannter oder noch nicht so vertrauter Unterstützungsverfahren. So heißt es zu Beginn: "Es soll kein dickes Buch werden, sondern eines, das genutzt wird." (S. 15) Dies bringt es auf den Punkt; denn das passend im DIN A 5-Format und Ringheftung vorgelegte Buch schafft es auf 174 Seiten, ein buntes Potpourri an Hilfsmöglichkeiten so konkret, klar und menschennah aufzuzeigen, dass es eine wahre Freude ist, mal wieder in der praxisgeleiteten Theorie zu stöbern.
So findet man in der Schatzkiste zunächst eine präzise, wenn auch knappe allgemeine theoretische Einführung, die durch und durch systemisch orientiert ist und von Hinweisen zu Fragetechniken und Gesprächsgestaltungselementen geprägt wird. Hier werden leicht eingängige Wortspiele "Kein Anschluss unter dieser Nummer..." und leicht zu erinnerende Formulierungen eingebaut. Im Kernkapitel "Interventionen" werden ungemein viele Interventionen für das Beratungsgespräch, für häusliche Aufgaben und spezielle Techniken vorgestellt. Ob nun Externalisieren, Fragetechniken (zirkuläre), Reframen, Skalierung, Musterunterbrechung, Ankern, Wunderfrage (de Shazer, Insoo Kim Berg), Mutmacher, Helfer, Ampelkarten, Malen und Cartoons, Lebensfluss-Modell (in Anlehnung an dem vft-München), Urkunden oder Handpuppen,...: Kaum eine systemtherapeutische Methode fehlt hier und man wird von der Fülle aufgrund der klaren Gliederung dieser "Schatzkiste" nicht erschlagen. Für viele Leser/-innen eher ungewöhnlich wird das 3. Kapitel sein, wo es um "Indikationen oder: Was hilft am besten?" geht. Hier werden spezifische Verhaltensweisen, Problemstellungen, Krankheits- und Störungsbilder ganz kurz beschrieben und dann wird auf spezielle Fragen und Interventionsschritte eingegangen (mit nutzerfreundlichem Seitenbezug). Dem international erfahrenen Autorenpaar (Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie, systemische Familientherapie, analytische Gruppentherapie, kreative Kindertherapie, Supervision,...) gelingt es hier in besonderem Maße, keine oberflächlichen oder kurzfristig wirkenden "Tipps und Tricks" zu vermitteln, sondern darauf zu schauen, was angemessen, nachhaltig und therapeutisch verantwortbar ist.
Einzelne Fotos und Abbildungen ergänzen die Schatzkisten-Textausführungen. Zum Schluss wird man noch einmal unterstützt bei der Be- bzw. Ent-gegnung von scheinbar aussichtslosen bzw. pikanten Gesprächssituationen. Diese werden einzelnen bekannt vorkommen, andere werden dankbar sein für diese so alltagsnahen Unterstützungen. Das Literaturverzeichnis hätte gewiss noch mehr Titel enthalten können (wie beispielsweise "Ich schaffs" von Furman) und doch birgt es auch hier wieder diese konkrete Art, als eine auf wesentliche Aspekte sich beschränkende Schatzkiste.
Alles in allem ein durch und durch durchdachtes, konkretes, wirkreiches Buch: Mögen viele Sozialarbeiter/-innen, Psychologen/-innen, Heilpädagogen/-innen, Familien- und andere Therapeuten/-innen diese Schatzkiste nutzen und inspiriert werden, diese Schatzkiste immer wieder auch mit persönlichen Erfahrungen sowie Fort- und Weiterbildungen zu füllen! Die Schatzsuche lohnt sich!