Aus der Amazon.de-Redaktion
Man kann gar nicht anders, als mitzufiebern und nicht selten erleichtert aufzuseufzen, so sehr fesseln die Abenteuer der gutherzigen kleinen Hexe. Was wäre sie nur ohne ihren Freund und Aufpasser, den sprechenden Raben Abraxas? Aus jeder Patsche -- die nie lange auf sich warten lässt -- hilft er ihr. Die böse Hexe Rumpumpel wartet ja nur darauf, der ärmsten eins auszuwischen, um zu verhindern, dass die kleine Hexe zu den Großen gehört. Dabei ist das doch ihr sehnlichster Wunsch! Wie schön wäre es, einmal die Walpurgisnacht mit den anderen Hexen auf dem Blocksberg zu feiern! Doch bis dahin muss sie sich noch fleißig im Hexen -- und in Geduld -- üben. Wieso also nicht derweil Gutes bewirken und den Hilflosen mit ein klein wenig Hexerei zur Seite stehen, den schlechten Menschen einen Streich spielen? Bald hält die kleine Hexe alten Holzweibern den gemeinen Revierförster vom Leibe, bald hext sie dem vor Kälte schlotternden Maronenverkäufer ein bisschen Wärme herbei. Auch der schüchternen Papierblumenverkäuferin müsste wirklich einer helfen
Etwa 50 Jahre ist es her, dass diese Geschichte mit den einprägsamen Zeichnungen Winnie Gebhardt-Gaylers zum ersten Mal Kinderherzen eroberte. Und immer noch verzaubert Otfried Preußler mit seinen liebenswerten Charakteren, die er in einer wundervollen Sprache zum Leben erweckt, Groß und Klein ab 6 Jahren. Während heutige Kinderbücher meist austauschbar sind und kommen und gehen (einmal abgesehen von einigen Werken von Cornelia Funke, Paul Maar oder von Harry Potter), kann man mit Fug und Recht behaupten: Otfried Preußlers Die kleine Hexe bleibt! --Fenja Wambold
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Mehrere WDR-Hörspiele von Ottfried Preußler hat „Der Audio Verlag“ bisher verlegt, darunter Der kleine Wassermann und Der Räuber Hotzenplotz: alles kleine Meistwerke, die dem Hörer einen völlig neuen Zugang zu den Büchern öffnen. Aber diese Kleine Hexe sticht sie an Zauber alle aus. Denn nicht nur Maires Stimme, auch die Inszenierung unter der Regie von Annette Kurth mit der Musik von Ingfried Hoffmann wirkt auf magische Art und Weise frisch und aufgepeppt. Höchster Hörgenuss für Hexenfans -- und für alle, die wissen wollen, was man aus der ohnehin schon wundervollen Kleinen Hexe noch herausholen kann. -- Thomas Köster, Literaturanzeiger.de (Diese Rezension bezieht sich auf Die kleine Hexe - Hörspiel)
-- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Audio CD .Klappentext
Autorenportrait
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Auszug
Es war einmal eine kleine Hexe, die war erst einhundertsiebenundzwanzig Jahre alt, und das ist ja für eine Hexe noch gar kein Alter.
Sie wohnte in einem Hexenhaus, das stand einsam im tiefen Wald. Weil es nur einer kleinen Hexe gehörte, war auch das Hexenhaus nicht besonders groß. Der kleinen Hexe genügte es aber, sie hätte sich gar kein schöneres Hexenhaus wünschen können. Es hatte ein wundervoll windschiefes Dach, einen krummen Schornstein und klapprige Fensterläden. Hinten hinaus war ein Backofen angebaut. Der durfte nun einmal nicht fehlen. Ein Hexenhaus ohne Backofen wäre kein richtiges Hexenhaus.
Die kleine Hexe besaß einen Raben, der sprechen konnte. Das war der Rabe Abraxas. Er konnte nicht nur "Guten Morgen!" und "Guten Abend!" krächzen wie ein gewöhnlicher Rabe, der sprechen gelernt hat, sondern auch alles andere. Die kleine Hexe hielt große Stücke auf ihn, weil er ein ausnehmend weiser Rabe war, der ihr in allen Dingen die Meinung sagte und nie ein Blatt vor den Schnabel nahm.
Etwa sechs Stunden am Tage verbrachte die kleine Hexe damit, sich im Hexen zu üben. Das Hexen ist keine einfache Sache. Wer es im Hexen zu etwas bringen will, darf nicht faul sein. Er muß zuerst alle kleineren Hexenkunststücke lernen - und später die großen. Seite für Seite muß er das Hexenbuch durchstudieren, und keine einzige Aufgabe darf er dabei überspringen.
Die kleine Hexe war erst auf Seite zweihundertdreizehn des Hexenbuches. Sie übte gerade das Regenmachen.