Vielleicht ist der Titel falsch gewählt: Die kleine Hexe Ida" weckte bei mir sofort Assoziationen von Preußlers kleiner Hexe bis Bullerbü-Romantik. Auch die wirklich wunderschönen Illustrationen trugen noch dazu bei. Dieses Buch möchte aber eher in der Ronja Räubertochter-Liga (die es trotz der "Grolltrolle" nicht ganz erreicht) mitspielen. Ich hoffe, dass sich ältere Kinder und Teenager nicht von dem kindlichen Titel abschrecken lassen.
Für Erstleser sind fast 300 Seiten in normaler Schrift viel zuviel. Zum Vorlesen eignet sich die komplexe Geschichte auch nur, wenn die Zuhörer bereits Erfahrungen mit langen Handlungssträngen gemacht haben. Eine konkrete Altersempfehlung möchte ich nicht geben; dazu sind Kinder zu unterschiedlich.
Die angeschnittenen Themen - Hexenverfolgung, Obdachlose, Tiere töten zum Verzehr etc. - erfordern entweder Vorkenntnisse oder Erwachsenenbegleitung. Bei der Wortwahl konnte sich die Autorin offensichtlich nicht immer entscheiden, wie kindgerecht die Sprache denn sein soll. So hat Ida als einzige Hexe einen "normalen" Vornamen. Einige der anderen Namen sind albern, während sich über die Medizinhexen Azetül und Salizül wohl nur Erwachsene amüsieren können.
Insgesamt hat mir als erwachsener Leserin die Geschichte viel Spaß gemacht. Unsere moderne Welt wird liebevoll und ohne erhobenen Zeigefinger vorgeführt. So wird zum Beispiel das jahrhundertelang verborgene Hexendorf dank eines fehlerhaften Navis gefunden.
Die Aufmachung ist sehr schön, schwer, stabil, mit Lesebändchen. Somit dürfte das Buch etliche Jahre unbeschadet überstehen, falls es zu früh gekauft wird.