Wenn wir den Namen Bodo Kirchhoff hören, dann erinnern wir uns an seine Romane „Mexikanische Novelle, „Schundroman“, „Parlando“, „Wo das Meer beginnt““ und sein so überaus erfolgreiches Buch „Infanta“. Von dem allen ist in seinem neuesten Werk nicht viel wieder zu erkennen.
Zum Plot: Der Held Hoederer ist vom Pech verfolgt. Eigentlich wollte er sich selber umbringen. Jetzt werden zwei Menschen seine Opfer. Eine alte Frau wird während eines Banküberfalls von der verirrten Kugel aus seiner Pistole getroffen. Der Chauffeur einer Filmcrew, der seinen Selbstmord verhindern will, wird bei einem Gerangel von der Kugel eines sich lösenden Schusses in die Brust getroffen. Hoederer holt den blutüberströmten Chauffeur in den Wagen. Er sitzt in dem Wagen der Filmcrew, will gerade wieder die Pistole zum Selbstmord ansetzen, da erklingt ein Song aus seiner Jugend „My little Runaway“. Es erinnert ihn an einen Liebe in seiner Jugend. Das Lied kommt diesmal von einem Handy. Der 12- jährige Fernsehstar Malu hält es in der einen Hand in der anderen hat sie die Leine ihres Hundes Lorca. Sie hatte sich im Fond des Wagens versteckt, hatte die grauenvollen Vorgänge miterlebt. Hoederer nimmt sie als Geisel, macht sich mit ihr auf die Flucht, vor der Polizei, vor sich selbst. Er erreicht schließlich einen Winterwald in Brandenburg.
Es geht eigentlich am Anfang über Stock und Stein, es kommt ganz knüppeldick. Es muss erst etwas ganz Schreckliches geschehen, damit man die anderen Dinge, die nun folgen, glauben kann.
Es geht in eine Entwicklungsgeschichte über in der Bodo Kirchhoff eine Balance zwischen Märchen und Realität herauszuarbeiten versucht. Von dem Grauen an Anfang ausgehend kann man erst versehen, was sich zwischen der Geisel und dem Geiselnehmer später sachte entwickelt. Es ist das Aufeinandertreffen und die Auseinandersetzung eines vermeintlichen Versagers und eines Glücksmädchens. Die beiden verbringen die Nacht in eisiger Kälte. Lösegeld spielt irgendwie auch eine Rolle, aber eigentlich geht es nur um die Beiden.
Das Wesentliche dieses dreihundert Seiten umfassenden Romans betrifft das Gespräch und die Intimität zwischen den beiden jungen Menschen sowohl im anfänglichen Schweigen wie auch im späteren Sprechen. Der Autor entfaltete und beschreibt auch einen gewissen Eros zwischen den Beiden.
Resümierend bleibt fest zustellen, dieser Roman fällt eigentlich aus dem Rahmen der Bücher heraus, die der Autor bisher geschrieben hat. Es gibt dafür zwei Erklärungen, zum einen ist es die Vorherrschaft der Handlung, die eigentlich nur mit einem Schundroman vergleichbar wäre, wo es auch so eine Art Dominanzhandlung gibt, zum anderen ist es die Form der Psychologie die hier eine dominierende Rolle spielt, wenn man die beiden auf engstem Raum aneinander gefesselten jungen Menschen denkt. Insofern ist es nicht nur ein Schundroman, sondern ein „Kammerspiel“, in kleinem Raum in Ton und Stimmung auf Wirkung bedachtes Schauspiel. Die Erotik bleibt draußen, wird auf die Tierwelt verlagert, auf die durch die Wälder streunenden Wölfe.
Es ist ein bisschen wie Convinience Food. Man kann das Buch auch nicht zwei Mal lesen. Man kann es nach dem ersten Mal schon sehr schnell vergessen. Wertvorstellungen und Moral sind spießig.