Jeder hat schon einmal etwas von Lewis Carrolls berühmtem Kinderbuch "
Alice im Wunderland" gehört, es vielleicht gar gelesen. Die Titelheldin wird während eines langweiligen Picknicks mit ihrer Schwester auf ein weißes Kaninchen aufmerksam, dem sie schließlich in dessen Bau folgt und nach einem beinahe endlos scheinenden Sturz in einer traumartigen Unterwelt landet, die vor Paradoxa und Absurditäten nur so strotzt.
Charles Lutwige Dodgson - so der korrekte Name des Autors, der gleichzeitig ein schrulliger Mathematikprofessor in Oxford und ein Vorreiter der Fotografie war - wurde damit weltberühmt. Obwohl dieser komplizierte, eigenartige Mann die Gesellschaft von Kindern und jungen Frauen suchte (darunter die der berühmten Alice Liddell, die ihn zu seiner Heldin anregte), heiratete er nicht und hatte keine Kinder.
"Alice im Wunderland" erschien 1865 und hat bis heute nichts von seiner traumhaften Faszination eingebüßt. 1885 fasste er den Plan, die Geschichte für ganz kleine Kinder - "von unseren Lieblingen mit Grübchen und Speckfalten, die, des Lesens und Sätzbildens noch unkundig" zu bearbeiten.
Mit einem gekürzten und zusammengefassten Text sowie den berühmten Illustrationen von John Tenniel hat nun auch der kleine deutsche Leser die Chance, in der wunderschön gestalteten Auflage aus dem Diogenes-Verlag, in den Genuss der zauberhaften Geschichte zu kommen. Und natürlich sind all die liebenswerten, schrulligen, sonderbaren und lustigen Figuren wieder dabei. Sei es nun das "gestresste" weiße Kaninchen ("Ach Gott, ach Gott! (...) Ich komme noch zu spät!"), die blaue Raupe, die Alice größer und kleiner machen kann, die Edamer Katze, das Ferkel-Baby oder der Hummer-Quadrille, die böse Königin ("Runter mit dem Kopf!") und natürlich der verrückte Hutmacher (Jonny Depp steht übrigens seit kurzem als selbiger an der Seite von Anne Hathaway für eine neue Verfilmung von "Alice im Wunderland" vor der Kamera, Kinostart: 11.03.2010).
"Adieu, liebe Alice, adieu!", ruft der damals 58-jährige Autor am Ende des Buches beinahe wehmütig seinem entschwindenden Traumbild hinterher. Lewis Carroll hat kleine Mädchen innig geliebt, denn vor den erwachsenen musste er sich, wegen der damaligen rigiden Moral und eines "absurd verzopften Reglements", fürchten. "Ist große Kunst nur zu solchem Preis zu haben?", fragt sich W. E. Richartz im abgedruckten Nachwort. Geblieben ist auf jeden Fall ein Kinderbuchklassiker, der nun auch die ganz Kleinen erfreuen wird.