Ich bin froh, das Buch von Fritz Vahrenholt und Sebastian Lüning gelesen zu haben, nimmt es doch eine interessante Gegenposition in der aktuellen Klimadebatte ein. Wichtiger noch: Es versucht, die eigene Position penibel zu begründen. Natürlich ist es für den Nicht-Klimaforscher - wie mich - nicht durchschaubar, was ein echtes, sachliches Argument ist und was letztlich primär von Eigeninteressen oder gar übergeordneten ökonomischen Interessen getragen wird. Aber das ist in den Wissenschaften generell so: Hinter allen wissenschaftlichen Positionen verbergen sich Eigeninteressen, und sei es das Interesse, eine wichtige Rolle in der Debatte zu spielen und weitere Forschungsaufträge an Land zu ziehen.
Wie eine andere Rezensentin zuvor störte mich bei der Lektüre mitunter die doch recht auffällige Polemik gegen das IPCC. Und genauso wie sie vermisste ich - als Evolutionstheoretikerin - eine Einordnung der aktuellen CO2/Sauerstoffwerte in den erdgeschichtlichen Zusammenhang. Man gebe beispielsweise in Google die Worte "co2" und "erdgeschichte" ein. Angezeigt wird unter anderem ein Text der Uni Kiel mit dem Titel "Zeitskala", der darlegt, dass wir aktuell in einer Zeitepoche mit einem sehr niedrigen CO2-Gehalt in der Atmosphäre leben. Mit anderen Worten: Auch die in den letzten 100 Jahren angestiegenen Werte sind noch immer sehr niedrig, und sie werden es wohl auch in den nächsten 100 Jahren bleiben, wenn keine nichtmenschlichen Faktoren - insbesondere aufgrund der Plattentektonik - hinzukommen.
Auch wenn ich selbst nicht beurteilen kann, ob Vahrenholt und Lüning mit ihrem Standpunkt recht haben oder nicht, empfehle ich das Buch als Lektüre ausdrücklich. Wissenschaft ist keine Monokultur. Wissenszuwächse kommen nur durch unterschiedliche Standpunkte zustande.