Legenden werden von Geheimdiensten erfunden, um ihre Agenten vor Überprüfungen zu schützen, wenn ihre falschen Pässe aufgeflogen sind, sie ihre Glaubwürdigkeit unter Beweis stellen müssen. Robert Littell erzählt in seinem Roman das faszinierende Leben Martin Odums. Oder besser Dante Pippen. Heißt er nicht eigentlich Lincoln Dittmann? Er wird auf die Fährte eines verschwundenen Ehemanns gesetzt, dessen Ehefrau sich scheiden lassen will, da die Ehe nicht vollzogen wurde, er leider jedoch spurlos verschwunden ist. Damit beginnt für Odum eine Odyssee, die ihn nach Israel, London in die ehemaligen Länder der Sowjetunion führt. Gleichzeitig entspinnt Littell nach einer grandiosen Eröffnungsszene ein Verwirrspiel, das vor und zurück springt, dass Odum selbst bei einer Psychologin zeigt, die herausfinden soll, ob er noch bei Sinnen ist oder dazu neigt, die geheimen Machenschaften der CIA zu enttarnen. Dahinter steckt ein amerikanisches Komplott gegen das neue Russland, dass man als gegeben ansehen muss, auch wenn es hart an der Grenze des Vorstellbaren liegt. Dass einen das neben manch anderen Unwägbarkeit, wie den vielen ausweglosen Situationen, aus denen Littell Odum zu befreien vermag, in diesem meisterhaft komponierten Thriller nicht stört, ist ein Verdienst Littells, der uns nicht nur in die Praktiken der Legendenbildung einweiht, uns vielmehr eine multiple Persönlichkeit vorführt, die unliebsame Erinnerungen so verdrängt hat, dass er nicht mehr weiß, wer er wirklich ist. Mit Augenzwinkern streut Littell dabei einige Menschen aus dem normalen Leben ein, die genauso gut verrückt sind, da sie behaupten Schachgrößen oder Ehefrauen von liquidierten ehemaligen Politikern zu sein, und ihr Leben auf den nächsten Seiten bereits in Zweifel gezogen wird. Ein wunderbares Changieren, bei dem keine Langeweile aufkommt.