Wie üblich hat Jörg Friedrich alle verfügbaren Quellen über die Behandlung der NS-Täter nach 1945 herangezogen, um ein komplexes Bild der Verhältnisse im Nachkriegsdeutschland zu zeichnen. Selbst wer schon einiges über die kalte Amnestie der Nazimörder und ihrer Gehilfen wußte, wird von den Fakten überrollt. Dabei ist Friedrich kein Freund von einfachen Schuldzuweisungen gegen die Akteure der Amnestie, sondern analysiert auch deren Verstrickung in die damalige Politik. Aber immer läßt er die Quellen sprechen, wenn es um ungesühnten Mord und Massenmörder geht. Ich halte das Buch für das definitive Kompendium des Themas.
Erwähnt werden muß Friedrichs exzellente Sprache, die in vielen lakonischen Passagen an Elfriede Jelinek erinnert - über die man auch streiten kann. Aber wem gelingen zu einem solchen Thema genau passende Sottisen wie die über die NS-Richter, daß Irrsinn und Jurastudium zur Schuldunfähigkeit führen?