Als Sándor Márai im Jahre 1900 in Kaschau geboren wurde, zählte die heutige slowakische Stadt damals noch zu Oberungarn. Im Roman erzählt Márai, dass die Kämpfe des ersten Weltkrieges nie bis an die Stadt herangereicht haben, friedlich 'schlummert die Stadt zwischen den Bergen'. Der Krieg schlägt "unsichtbar" zu. Die Anzahl einer Gymnasiastenklasse schrumpft von 50 Schülern in der vierten Klasse auf 17 Schüler zusammen, die im April 1918 zur Maturaprüfung übriegbleiben. Ábel, Tibor, Ernö und Béla gehören dazu. Sie bilden den Grundstock einer Clique, die sich gegen das Erwachsenwerden auflehnen, "gegen die unverständliche Macht, der Allmacht der Erwachsenen, gegen die Züchtigungen, gegen ihre Verbote und Regeln." In ihrem Zimmer in der "Arabesque", einer Restauration außerhalb der Stadt, halten sie "Angstnachmittage" ab. Jeder erzählt, wovor er sich als Kind am meisten gefürchtet hatte. Das schweißt sie zusammen und hier in ihrem geheimen Unterschlupf, horten sie ihr Diebesgut, was sie sich aus ihren Familien und woandersher zusammengerafft haben. Hier können sie unbeschwert ihre Kindheit ausleben, was sie im Elternhaus nicht konnten - auch verworrene homoerotische Gefühle, Eifersüchteleien und den kindlichen Drang, sich zu verkleiden - doch ewig kann das nicht weitergehen, denn es gibt in der Gruppe einen Verräter und in sechs Wochen müssen sie in den Krieg ziehen.
Dieser Roman ist ein Glanzstück. Mit einem melancholischen Blick zurück, erzählt Márai von einer Generation ohne Zukunft. Die ältere Generation wird im Roman krank und schwächlich beschrieben, auch mal ein bisschen verrückt - auf diese Weise beklagt der Autor den Niedergang der Donaumonarchie - und der Blick in die Zukunft ist düster.
Sándor Márai erweist sich wieder als großartiger Erzähler. Eine Sprache, die einen großen Lesegenuss verschafft.