J.M. Coetzes „Die jungen Jahre" beschreibt die Studienjahre eines jungen Mannes in London, seine Flucht vor den südafrikanischen Zuständen und seiner Familie und seine Sehnsucht danach, in England zum Künstler zu reifen. Zu seiner Überraschung muss er jedoch feststellen, dass sich die englische Welt für ihn nicht wie eine festlich gedeckte Tafel öffnet, als er von Kapstadt nach London kommt sondern ihn züchtigt, ernüchtert, erzieht, bis er „so hart wie ein Londoner" wird. Jeden Tag ist er bereit für die Liebe, für „eine ungeheure Begegnung, bei sich Menschen und Welten verbrennen und verwandeln", doch er trifft nur graue Mäuse, die ihn langweilen und abstoßen und bei denen er den Verdacht hegt, dass gerade sie es sind, die zu ihm passen. Die Liebe öffnet sich ihm nur als ein Defizitphänomen, als ein Folge der Einsamkeit, die auch die härteste Auster öffnet, nicht als ein freiwilliges Geschenk eines anderen. Er kommt zur Liebe wie ein Abstauber in den Turbulenzen anderer Leben, wie ein Dieb, ein Schnäppchenjäger des Schicksals, der sich mit dem zufrieden geben muss, was ihm der Zufall vor die Füße fallen lässt. Er bewundert die Lyrik und die Malerei, quält sich redlich durch alle Schmöker von Ford Maddox Ford, um doch am Ende dem Verdacht anheimzufallen, dass er nichts weiter sei als eine taube Nuss, was nicht ohne hintergründigen Humor erzählt wird. Gerade die Meisterschaft, mit der hier ein Meister eine Person beschreibt, die gerne ein Meister wäre ohne ein Meister zu sein, macht den Reiz dieses kleinen Werkes aus.
Ein Buch, dass Lust macht auf mehr vom südafrikanischen Nobelpreisträger.