Na ja, eine etwas ungewöhnliche, aber doch auch interessante Idee ist das schon: die Hauptfigur Marymarie splittet sich in zwei separate Hauptfiguren Mary und Marie auf. Dabei ist Marie das fantasierte Alter Ego von Mary, das den untreuen, querschnittsgelähmten Ehemann ermordet hat und dafür ins Gefängnis gekommen ist. Mary selbst wurde aber eigentlich Ministerin und ist bei jenem untreuen, querschnittsgelähmten Ehemann geblieben. Diese beiden Leben werden in allen Facetten und Details nebeneinander her in die Romanhandlung eingebracht. Sie sind tatsächlich so eng ineinander verschachtelt, dass man so gerade noch den Überblick behalten kann. Doch weder die eine noch die andere Frau werden einem dabei wirklich nah, beide bleiben dem Leser fremd und in ihrer Gefühlswelt eingesperrt. Aber das kann von der Autorin nur gewollt sein, denn sie hat ein düsteres Buch über die Einsamkeit geschrieben. Auch alle anderen wichtigen Personen in Marymaries Leben, z. B. ihre Freunde und Eltern, sind kaputte, seelisch verkrüppelte Menschen, die keine echte Bindung, Trost oder Wärme geben können. Das ist eindringlich und gut geschrieben, und dadurch bleibt doch ein sehr unbehagliches Gefühl zurück, wenn man das Buch schließt.