Dieses Buch gehört zur phantastischen Literatur, d.h. es werden viele magische, irreale Momente eingespielt, die aber dennoch wie Realität behandelt werden. Deshalb ist in der Welt, in der der kleine Junge (der Protagonist) lebt, nicht zwischen Wirklichkeit und Phantasie, Menschen und Geistern, der Angst vor etwas und dem wirklich beängstigenden Erleben von etwas zu unterscheiden. In den Augen des Kindes fließt alles ineinander über.
Für mich wurde in diesem Roman in wunderbarer Weise das Alltagsleben einer armen Familie in Nigeria geschildert. All die Sorgen, vor allem finanzieller Art, wirken in meinen Augen sehr sehr realistisch. Die Nachbarn fordern das geborgte Geld zurück, man hat es aber nicht, es wird mit Wohnungskündigung gedroht, wenn man die erhöhte Miete nicht zahlt. Die Miete wurde erhöht, weil man die Reichenpartei des Vermieters nicht unterstützen will. Auch die Madame, der die nahe gelegene Bar gehört, in die der Junge öfters geht, um dort zu helfen, schließt sich der Reichenpartei an, weil sie mehr Chancen bietet. Für mich wunderbar beschrieben, wie der Anspruch eines Ideals zwar da sein kann, man aber der Realität gerechter wird, wenn man sich auf Kompomisse einlässt. Welche andere Wahl hat man denn? Der Vater verkörpert das Ideal, die Mutter eher den Kompromiss.
Beide Eltern arbeiten hart, und haben dennoch oft nicht das Nötigste zum Leben. Der Vater ist Lastenträger. Die Schwere der Arbeit wird dem Leser durch das Auge des Kindes vermittelt, das seinen Vater einmal heimlich bei der Arbeit beobachtet. Es sieht all die ächzenden, geschundenen Gestalten, die unter der Last beinahe zusammenbrechen. Auch die Mutter wird bei der Arbeit geschildert, wie ihr Verkaufsstand von Ordnungshütern umgeworfen wird und sie gegen das Unrecht machtlos ist, den ganzen Tag umherlaufen muss, um am Ende des Tages vielleicht eine Kleinigkeit verkauft zu haben. Das Essen am Abend wird so unzählige Male beschrieben, es ist eines der Elemente, das den Rhythmus und immer gleichen Tagesablauf darstellt, aber doch nie gleich verläuft. Häufig reicht das Essen nicht für alle, manches Mal steckt die Mutter zurück, damit ihr Mann genug bekommt. Trotz der Härte lieben sich die Eltern, auch wenn für Romantik nicht viel Zeit und Kraft bleibt.
Ich habe selten ein so geniales Buch gelesen und eines, das die Armut so gut kennt und trefflich schildert wie dieses überhaupt noch nicht. Unbedingt empfehlenswert!