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"Macht" oder -- etwas weniger anrüchig -- "Einfluss" innerhalb des Unternehmens zu gewinnen, zu behalten und auszubauen ist nach Lürssen der Dreh- und Angelpunkt jeder Karriere. Denn täuschen Sie sich nicht: "Entscheidungsprozesse in Organisationen, bei denen um die Sache gestritten wird, spiegeln Machtkämpfe zwischen den Beteiligten wider." Und um beim Machtpoker mitmischen zu können, muss man die Spielregeln beherrschen. Die Grundregel: Der Novize muss lernen, "politisch" zu denken. Konkret heißt das: Er muss wissen, dass es im Unternehmen neben der sichtbaren Welt der "Fakten" eine "zweite Dimension" gibt. Hier regieren ungeschriebene Gesetze, in die Lürssen Schritt für Schritt einweiht. Etwa in die Methoden der Einflussnahme, die vom "Tauschhandel" über den Einsatz von "Verbündeten" bis zum "Zwang" reichen, in das Erfolgsgeheimnis guter Chefbeziehungen (was eine gute Leistung ist, definiert ihr Boss) oder in den Umgang mit vertraulichen Informationen (Wissensvorsprung stärkt Ihre Machtposition, von den bekannten Leichen in den Kellern anderer bis zur Vorabinfo über Vorstandsentscheidungen). Auch unsaubere Karrieretricks von Erpressung bis Intrige spart Lürssen nicht aus; allerdings mit dem deutlichen Hinweis, dies diene primär der Abwehr solcher Attacken.
Wer eine Karriere in Großunternehmen anstrebt, sollte sich dieses Buch nicht entgehen lassen, und auch in mittelständischen Betrieben wird man sicher auf etliche der Taktiken stoßen. Pointiert geschrieben ist das Ganze überdies. Fazit: Karriere ist nichts für Waisenknaben (und -mädchen!). --Dr. Petra Begemann -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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Man muss Herrn Lürssen zugute halten, dass er auf rund 250 Seiten ein beachtliches Gesamtbild zeichnet: Verhandlungstechnik, Eigen-PR und Networking sind nur einige der Themen, die angesprochen werden und heute zum Werkzeugkasten jeder Führungskraft gehören.
Genau da liegt aber auch das Problem: Als Werkzeuge können Soft Skills Türen öffnen und Brückenschläge ermöglichen. Aber einen Hammer im Gepäck zu haben heißt nicht, dass man nun blind draufloshämmern sollte. Denn dabei kann auch viel Porzellan zu Bruch gehen. Und genau das kommt bei Herrn Lürssen leider nicht so zum Ausdruck.
"Zu 90% ist die Karriere von anderen Faktoren bestimmt", heißt es auf dem Cover. Mit plakativen Sprüchen wie diesem werden die Leser aufgerufen, mit ihren Soft Skills aus dem Vollen zu schöpfen.
Die Risiken kommen zu kurz:
- Persönliche Schwächen seien grundsätzlich zu verbergen. Das werde in Verhandlungen von einem Manager erwartet. Welche Auswirkungen es hat, wenn sich der "Firmenkloputzer" die Belastung nicht anmerken lässt, dürfte klar sein: Und schon stehen die Pissoirs mit auf den Arbeitsplan! Abgesehen davon können Frust und Depressionen die Folge davon sein, Charakterzüge einfach nur zu unterdrücken.
- Dass sich unter Angabe falscher Gründe "gute Parkplätze" ergattern lassen, mag sein. Dass man sich damit nicht nur der Gerüchteküche der Kollegen aussetzt, sondern eines Tages vor Publikum die Frage drohen könnte, womit man solche Privilegien eigentlich verdiene, kommt nicht zur Sprache.
- Auch dass Eigen-PR manchmal effektiv sein könne, ist richtig. Das Risiko, sie unangemessen zu dosieren, kann noch viel efferktiver wirken. Wann also Eigen-PR angemessen ist und wann man sie besser vermeidet, wird zur Nebensache.
Herr Lürssen ermuntert Zögernde zu Verlogenheit, Skrupellosigkeit und Unterwürfigkeitsgesten. Zu kurz kommt, dass sich erfolgreiche Manager vor allem durch viel Arbeitsbereitschaft, Erfahrung und Fingerspitzengefühl im Umgang mit Menschen, ihren Problemen und mit sich selbst auszeichnen.
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