Herr Lürssens Buch "Die heimlichen Spielregeln der Karriere" soll denen unter die Arme greifen, die am Arbeitsplatz den "Weg nach oben" anstreben. Und wie so häufig geht es dabei um die Vermittlung von Soft Skills.
Man muss Herrn Lürssen zugute halten, dass er auf rund 250 Seiten ein beachtliches Gesamtbild zeichnet: Verhandlungstechnik, Eigen-PR und Networking sind nur einige der Themen, die angesprochen werden und heute zum Werkzeugkasten jeder Führungskraft gehören.
Genau da liegt aber auch das Problem: Als Werkzeuge können Soft Skills Türen öffnen und Brückenschläge ermöglichen. Aber einen Hammer im Gepäck zu haben heißt nicht, dass man nun blind draufloshämmern sollte. Denn dabei kann auch viel Porzellan zu Bruch gehen. Und genau das kommt bei Herrn Lürssen leider nicht so zum Ausdruck.
"Zu 90% ist die Karriere von anderen Faktoren bestimmt", heißt es auf dem Cover. Mit plakativen Sprüchen wie diesem werden die Leser aufgerufen, mit ihren Soft Skills aus dem Vollen zu schöpfen.
Die Risiken kommen zu kurz:
- Persönliche Schwächen seien grundsätzlich zu verbergen. Das werde in Verhandlungen von einem Manager erwartet. Welche Auswirkungen es hat, wenn sich der "Firmenkloputzer" die Belastung nicht anmerken lässt, dürfte klar sein: Und schon stehen die Pissoirs mit auf den Arbeitsplan! Abgesehen davon können Frust und Depressionen die Folge davon sein, Charakterzüge einfach nur zu unterdrücken.
- Dass sich unter Angabe falscher Gründe "gute Parkplätze" ergattern lassen, mag sein. Dass man sich damit nicht nur der Gerüchteküche der Kollegen aussetzt, sondern eines Tages vor Publikum die Frage drohen könnte, womit man solche Privilegien eigentlich verdiene, kommt nicht zur Sprache.
- Auch dass Eigen-PR manchmal effektiv sein könne, ist richtig. Das Risiko, sie unangemessen zu dosieren, kann noch viel efferktiver wirken. Wann also Eigen-PR angemessen ist und wann man sie besser vermeidet, wird zur Nebensache.
Herr Lürssen ermuntert Zögernde zu Verlogenheit, Skrupellosigkeit und Unterwürfigkeitsgesten. Zu kurz kommt, dass sich erfolgreiche Manager vor allem durch viel Arbeitsbereitschaft, Erfahrung und Fingerspitzengefühl im Umgang mit Menschen, ihren Problemen und mit sich selbst auszeichnen.