Lion Feuchtwanger verfolgt in dem vorliegenden Roman gleich mehrere Anliegen. Zunächst beschreibt er die Geschichte einer Frau, die mit ihrer Hässlichkeit leben muss, das ist immer bitter und lehrreich. Sodann bietet er eine im Text implementierte Studie über den Antisemitismus, die nach dem ersten Weltkrieg der Entstehungszeit des Werkes, hochaktuell war. Und schließlich entfaltet er vor den Augen des Lesers einen packenden historischen Roman aus dem 14. Jhdt ( d. h. aus der gleichen Epoche, in der auch "Der Name der Rose" spielt). Ich bekenne, so sehr mich die weibliche Schönheit interessiert und der Antisemitismus schmerzt - mir hatte es der dritte Aspekt angetan: die opulente Entfaltung eines spätmittelalterlichen Panoramas mit Kaisern und Kurfürsten, Päpsten, Schurken und Halunken in Gestalt eines meisterhaften historischen Romans, der den Leser von der ersten bis z8r letzten Seite in Atem hält. Da meine verehrten Vorrezensenten wenig zur Geschichte sagen ( aber viel an der Gestaltung nörgeln!) einige Informationen zum geschichtlichen Hintergrund des Buches. Wir befinden uns in der Epoche Kaiser Ludwigs IV von Bayern (1313-1347), der im Zuge seiner Hausmachtpolitik bis nach Brandenburg und Holland ausgriff und auch auf Tirol ein Auge geworfen hatte. Dort aber herrschte Margarete "Maultasch", eine Herzgin von abstoßender Hässlichkeit, aber mit einer verlockenden Erbschaft - eben ihrer Grafschaft Tirol, die an den Gatten und seine Kinder fallen würde. Um diese Erbschaft, um das Land Tirol, die Brücke zwischen Deutschland und Italien, gieren die großen Dynastien Mitteleuropas: die Wittelsbacher, die Luxemburger und die Habsburger. Wie Margarete, die wegen ihres gewaltigen Unterbisses "Maultasch" genannt wurde, in diesem Ränkespiel zur Bigamistin wurde und am Ende im Kloster Frauenchiemsee verschwindet, davon handelt dieser Roman, dessen Lektüre ich wärmstens empfehle. Am Ende machten die Habsburger das Rennen, allerdings um den Preis, dass sich der gigantische Unterbiss der Herzogin als genetisch dominantes Merkmal bis in das Gesicht Kaiser Karls V vererbte und von dort bis nach Spanien und Wien gelang. Den Wittelsbachern, die beim großen Spiel um Tirol am Ende leer ausgingen, blieb der Unterbiss bei ihren Nachkommen erspart, aber dafür sind sie später durchgeknallt. Man sieht, wie es auch kommt, immer ist es falsch.