Vorab eine Warnung: Wer keine deftige Küche mag, etwas gegen Wild hat oder Gerichte für "mal schnell eben" sucht, ist mit diesem Buch falsch bedient. Dieses Kochbuch ist ein hochwertiges, aber auch anspruchsvolles Kochbuch, genau richtig für jeden, der sich abseits vom Null-acht-fünfzehn-Kochen bewegt und auch gern ungewöhnliche Rezepte ausprobiert. Hier finden sich keine Standards, die in jedem zweiten Kochbuch nachzulesen sind, und auch Abwandlungen werden dargestellt. (Es gibt allein FÜNF verschiedene Schlutzkrapfenrezepte!)
Beim ersten Durchblättern fallen gleich einige Dinge auf, die das Buch von anderen unterscheiden: Kleine Anekdoten erklären Herkunft oder Entwicklung eines Rezepts, was sehr amüsant zu lesen ist. Besonders gut gefällt mir die Tatsache, dass zu jedem Gericht Beilagen empfohlen werden oder gar als eigenständiges Rezept mit abgedruckt sind. Zu oft geschieht es bei anderen Kochbüchern, dass man sich ein leckeres Hauptgericht aussucht - und dann am Grübeln ist, ob man wirklich wieder die obligatorischen Salzkartoffeln dazu reichen muss. Gerade die Beilagen sind sehr einfalls- und abwechslungsreich - und im Register netterweise auch eigens aufgeführt, auch wenn sie eigentlich zu einem anderen Rezept gehören. Selbst die Desserts sind "auskomponiert" bis hin zu Hippe, Sauce und Crèmetupfer!
Die Rezepte selbst sind leicht verständlich und gut nachzukochen. Schön finde ich, dass wirklich alles selbst gemacht wird bis hin zum Nudelteig. Natürlich erfordert das einen gewissen Zeitaufwand. Aber das Ergebnis rechtfertigt dies allemal - wenn man entsprechende Liebe zum Kochen mitbringt.
Einziger Kritikpunkt für "Nichttiroler": Das Glossar, das die österreichischen Begriffe erklärt, ist etwas dürftig. Einige Zutaten musste ich mir ergoogeln. Aber das ist ein kleiner Preis für dieses außergewöhnliche Kochbuch.