Nachdem ich den 1.Band der "großen Familien" fast non-stop (nachts!!!) gelesen hatte, konnte ich es nur mit Bedauern aus der Hand legen.
Um mich sodann unverzüglich in die Antiquariate zu begeben und stolz die 2 Folgebände zu erwerben - nebst einer weiteren Trilogie zum Verschenken.
Paris in den 20er Jahren des letzten Jahrhundert.
Wirtschaftlich gesehen gehört den 3 "großen Familien" - samt und sonders geadelte und geehrte Bankiers mit Schlössern, Ländereien und einem netzwerkartigen Imperium aus Fabriken,Banken und - nicht zuletzt und sehr wichtig - einer Tageszeitung, die sie nach Belieben für ihre Belange
und Interessen verwenden und mmisbrauchen,Paris.
Dabei wird manipuliert und spekuliert,sich käuflicher Subjekte bedient (Simon Lachaume)- die ihnen sodann den sogen. "letzten Messerstoß" versetzen -, Beziehungen nur nach dem Grad der Nützlichkeit aufgenommen und wieder fallen gelassen, Querdenker ausgeschalten (und mag es der einzige Sohn sein, Francois Schoudler) ),daß die Worte Moral und Anstand nur noch in den literarischen Zirkeln fallen - die wiederum vor allem der Präsentation der eigenen Übermacht und dem Knüpfen neuer politischer bzw. geschäftlicher Verbindungen dienen,wobei dort Heuchelei nicht verborgen wird. Es triumphiert die Dekadenz!
Verlierer sind zunächst die Opfer der wilden, unkonrollierten Spekulationen - so die an geeigneter Stelle als Bettler auftretenden Verarmten und die - welcher Selbstbetrug der "Großen" - mit Almosen als "Akt der Mildtätigkeit" abgefundenen und faktisch "abgefüttert" werden, daß eigene Gefühl der Überlegenheit stützend.
Die Personen sind eindrucksvoll charakterisiert, doch mehr noch die Leere, die sie umgibt und die gefüllt wird mit noch mehr Spekulationen, noch mehr
Reichtum, noch mehr und immer neue Geliebte, daß am Ende der immense Reichtum nicht einmal mehr auf dem Papier steht.
Sympathisch wirkt der -zufällig - steinreiche, im Irrenhaus für Arme dahinsiechende Außenseiter Lulu Maublanc,dem es gelingt,die Strategien der "3 Großen" öfters einmal zu durchkreuzen und der folgerichtig auch zu den großen Verlierern gehört,die Zuneigung gehört auch einigen Frauengestalten der Familien Schoudler und de la Monnerie und vor allem der ahnungslosen Kinder Jean.Noel und Marie-Ange, die nach dem Zusammenbruch in prostitutionsähnlichen Verhältnissen landen - als ehemals reichste Kinder von Paris.
Dieses Buch ist frei von sentimentalen Darstellungen und ist in der Darstellung der Abfolge der Schicksale so logisch wie ein Fachbuch.
Die Tilogie gehört zu den ganz großen Büchern.