Scharfe Kritiker sind ja nie geliebt. Kesting hat ein ungeheures Wissen und wenn er die Aufnahmen, die er aufführt, tatsächlich kennt,kann er sein Leben lang nichts anderes gemacht haben. Über die Urteile von ihm muss man nicht streiten, kann man eigentlich nicht, denn letztlich sind gerade bei Stimmen so viel subjektive Faktoren im Spiel, dass nur ein begrenzter Austausch darüber möglich ist.Peter Anders,sicher kein Super-Techniker, aber zu Herzen gehen, wird ordentlich gezaust,wie andere auch. Was an dem Kompendium weniger gefällt, als Mangel zu bezeichnen ist, sind die Kriterien der Auswahl. Gesang ist nicht nur Oper. Ausgeprägte Liedersänger ( Fischer-Dieskau ausgenommen) haben wenig Chance, von Kesting wahrgenommen zu werden. Gerade der lyrische Tenorgesang entfaltet sich zentral im Lied, Dichterliebe von Schumnann, Schöne Müllerin von Schubert. Ein Sänger wie Josef Protschka , der diese Zyklen großartig interpretiert hat, wird nicht wirklich wahrgenommen, dafür jede Menge von Sängern, die nicht nur längst tot sind, von denen es zudem kaum anhörbare Aufnahmen gibt. Das ist zu geschmäcklerisch. Punktabzug.