Aus der Amazon.de-Redaktion
Konrad Adenauer, Willy Brandt, Helmut Kohl -- der Kanzler der Westintegration, der Kanzler der "Neuen Ostpolitik", der Kanzler der Einheit. Anhand der Strategiekonzepte dieser politischen Führer kann man die Nachkriegsgeschichte als die eines Erfolges der Bundesrepublik Deutschland resümieren. Wenn man die Misserfolge derselben Amtsträger der jüngeren deutschen Vergangenheit herausgriffe, könnte man ganz andere Entwicklungslinien nachzeichnen. Einen dritten, ungleich interessanteren Ansatz hat Thomas Ramge gewählt: Er hat sich
Die großen Polit-Skandale vorgenommen, um uns "eine andere Geschichte der Bundesrepublik" vor Augen zu führen.
Neben der Geschichte etwa, wie der trickreiche Adenauer dafür sorgte, dass 1949 Bonn und nicht Frankfurt zur Hauptstadt der neuen Bundesrepublik Deutschland wurde, bilanziert er heute beinahe vergessene Skandalgeschichten, wie die um den zwischen West und Ost hin- und herrochierenden Verfassungsschutz-Präsidenten Otto John oder die um die "braune Eminenz" Hans Globke. Aber auch unvergessene: die Spiegel-Affäre des Franz-Josef Strauß von 1962, die Enttarnung des DDR-Spions Günter Guillaume in Willy Brandts Kanzleramt, die Barschel-Affäre ("Ich gebe mein Ehrenwort") und den Schwarzgeld-Skandal Helmut Kohls, infolge dessen der mundartliche Begriff "Bimbes" seinen Weg in den allgemeinen deutschen Wortschatz fand.
Insgesamt zwölf Skandale von den Anfängen der Bundesrepublik bis zur Gegenwart rekapituliert der Autor in seiner minutiös recherchierten Chronik -- wobei er die Geschichten nicht (nur) um ihrer selbst willen erzählt, sondern zugleich um zu zeigen, welche Funktion dem politischen Skandal in der Demokratie zukommt, den er im Vorwort als einen "Prozess der Selbstreinigung" charakterisiert: "Mit der Bestrafung der Schuldigen versichert sich die Demokratie, dass sie funktioniert, getreu dem Motto: Bei uns fliegen die Schweinereien auf und werden geahndet."
Insofern kann man in mancher der Skandalgeschichten zugleich einen anderen Kerngedanken des demokratischen Rechtsstaates verwirklicht sehen, den der Resozialisierung nämlich. So konnte der bayerische "Hund" Franz-Josef Strauß trotz der davongetragenen Blessuren seine politische Karriere nach dem erzwungenen Rücktritt wegen der Spiegel-Affäre beinahe unbehelligt fortsetzen. Dies gelingt freilich nicht jedem. So wird im Gegensatz dazu der sich selbst beständig überschätzende, in seiner Raffgier plump und ungeniert agierende ehemalige Bundesverkehrsminister Krause wohl in Zukunft kein Bein mehr auf die politische Bühne bekommen.
Zwölf sehr lehrreiche Kapitel zur deutschen Zeitgeschichte, klug ausgewählt und unterhaltsam geschrieben. --Andreas Vierecke
Pressestimmen
05.04.2003 / Stuttgarter Nachrichten: Polit-Skandale "Eine informative und spannende Rückschau."
19.05.2003 / ntv: Geschichte mal anders "Ein kompakter Überblick über die Abgründe bundesdeutscher Demokratie [...] Als studierter Historiker und Reporter der Parlamentsredaktion der Deutschen Welle gelingt es Ramge, sein Talent, Faktenwissen unterhaltsam darzustellen, voll auszuspielen."
19.05.2003 / Der Tagesspiegel: Schwarze Kassen, rote Spione "Ramge schreibt spannend und geht gerade so weit ins Detail, dass der Leser etwas lernt."
04.09.2003 / Die Zeit: Polit-Skandale "Das liest man natürlich immer noch mal gern nach..."
26.09.2003 / Süddeutsche Zeitung: Ein pathologisch gutes Gewissen "Der junge Autor hat die Affären geschickt eingeordnet und spannend beschrieben."