Jemand schreibt ein Buch über Künstler und muss sofort damit kämpfen, dass ihm vorgeworfen wird, dass wichtige Künstler fehlen.
Da geht es Otten nicht anders als anderen. Warum fehlt Katsaris? Hört man seine neueste Chopin-Kreation ( vier Versionen des f-moll Konzertes) ist dieser Mangel evident.
Warum fehlt Simone Dinnerstein und Lisa la Salle ist aufgenommen?
Keine Ahnung, der Autor hat eben andere Prioritäten.
Ihm wurde Beliebigkeit im Urteil vorgeworfen. Das kann ich nicht nachvollziehen. Er beschreibt doch sehr am Werk die Vorzüge der einzelnen Interpret/Innen und positioniert sich dadurch.
Ich lese so etwas eindeutig lieber als die Tiefsinnigkeiten von Herrn Kaiser.Abgesehen davon, dass sein Buch hoffnungslos veraltet ist ( und natürlich mit dem gleichen Einwand leben muss wie Otten, wer da alles nicht aufgenommen ist), habe ich bei Kaiser den Eindruck, er selbst steht im Vordergrund, nicht der Pianist und das Werk. Er und seine Exegese.
Das liest sich bei Otten doch ganz anders. Er schreibt sehr wenig über das Leben,eben über das Werk,die Aufnahmen der Pianist/Innen.
Sehr sympathisch, dass er mit dem grossartigen Fleisher anfing. Schön wäre gewesen, wenn er die Tiefe von two hands noch intensiver gewürdigt hätte. Dessen,Jesu bleibet meine Freude, reicht fast an Lipatti heran.
Ansonsten lese ich gerne in dem Buch,lasse mich anregen,auch wenn ich nicht alle Urteile teile und auch nicht die Entscheidung über die aufgenommenen Pianisten.
So lebt Gelber nach wie vor und hat einige äusserst bemerkenswerte Aufnahmen gemacht, nicht nur ein fulminantes erstes Konzert von Brahms (1965 mit Decker).
Auch wirklich Geheimtipps entgehen ihm. Korstick ist ein solcher nicht mehr, wohl aber Michael Leslie, in München ansässig,mit sehr wenigen,aber unglaublichen Beethoveneinspielungen ( opp. 106.120).
Das ist keine grundsätzliche Kritik an diesem Buch-im Gegenteil finde ich gerade die Einleitung über die unerträglichen Strategien der Industrie, nur zu verkaufen,höchst lesenwert,beherzigenswert.Man sollte noch ergänzen,das solchen Strategien nicht wenige hervorragende Aufnahme zum Opfer gefallen sind ( weil sie eben keinen Umsatz machen, wie etwa die wunderbare Wiedergabe von Foldes von Beethoven op. 80).
Weniger Kritik als Anregung, in der Hoffnung, es gibt weitere Auflagen.