"Wer neben einem solchen Manne schreiten soll?
Wen stell ich ihm zur Seite? Wer ist groß genug?"
(Aischylos)
Was weiß man wirklich über einen der Großen der Antike, außer dass er im ersten nachchristlichen Jahrhundert lebte. Man weiß, dass er anerkannter Schreiber war, verehrt wurde bis ins 20. Jahrhundert, namentlich Nietzsche gehörte zu den Bewunderern, zu denen, die ihn als Lesemuß zeitigen, die ihn in Anerkennung aller menschlichen Eigenschaften zu aller oberst schätzten. Dieser antike Schriftsteller, Philosoph und Menschenkenner ist Plutarch (ca. 46-125), ein aus einer gutsituierten Familie geborener, Studierter der Philosophie in Athen und ein gern geladener Gesprächspartner wichtiger Persönlichkeiten und zu guter Letzt Berater des Kaisers Trajan. Ihm ist sein Werk der vitae parallelae gewidmet.
Plutarch in diesem Werk stellt große Griechen und Römer gegenüber, kombiniert Paare, die vergleichbare Eigenschaften, Positionen und Leistungen vorweisen konnten. Bedeutende Menschen sind es ausnahmslos, ob Grieche oder Römer, vielleicht die Genien der jeweiligen Zeit, zumindest aber ein antikes Who is Who. Plutarch gibt die Gründe der Wahl preis oder aber, sie ergeben sich schnell in der Sache. Ob der Mythos den Auserwählten begleitet (wie bei Theseus und Romulus) oder ob er eine geschichtliche Größe war, spielt keine Rolle. Plutarch wählt in dem Geiste der Zeit, alle Personen sind per definitionem historisch real. Entsprechend seinem Menschenbild, seiner von der Stoa übernommen Überzeugung, gepaart mit der Lebensklugheit eines Epikurs weiß er die Kunst des Lebens zu schätzen und mitzuteilen, weiß er über die "moralia" zu philosophieren und zu überzeugen. So ist Solon als Vorkämpfer der Demokratie und als Angehöriger der Athener sieben Weisen ein Muss. Ihn mit dem weniger bekannten Poplicola in einen Rang zu stellen, erscheint zunächst fragwürdig. Doch auch der Römer zeichnete sich in der Zeit des Übergangs von der Königszeit zur Republik (ca. 500 v. Chr.) als Volksfreund und als ein Heros der demokratischen Freiheit aus.
Lykurg / Pomilius; Aristides / Cato der Ältere; Themikoles / Camillus; Kimon / Lucullus; Perikles / Fabius Maximus sind die weiteren Paare der hohen Zeit. Umfangreiche Erläuterungen runden dieses bemerkenswerte Werk ab. Hier werden u. a. die großen Werke der Griechen und Römer nebst ihren Quellen angezeigt. Dass hier Hesiod, Homer nicht fehlen, ist selbstverständlich. Aber auch neue Erkenntnisse korrigieren geschickt die Mutmaßungen Plutarchs, so dass ein rundes Werk (hier als Band I) vorliegt. Weitere drei Bände sollen folgen, so dass die Basis abendländischer Kultur mit Plutarch in neuem Glanz erscheint. Plutarch konnte die literarischen Maßstäbe setzen, mit seinen Werken gehörte er zu den meistgelesenen Autoren des ersten Jahrhunderts und er konnte so für lange Zeit des Bild der griechisch-römischen Antike prägen.
Dass Montaigne wie Nietzsche ["Sättigt eure Seelen an Plutarch"] sich an Plutarch erfreute, ist das Eine. Dass weitere Leser sich dieser Doppelbiographien wie seiner Werke insgesamt erfreuen können, liegt auf der Hand bzw. im eigenen Tun. Plutarch bittet jedoch, wo sich der Stoff hartnäckig gegen alle Glaubwürdigkeit sträuben sollte, sich als Leser freundlich und nachsichtig zu zeigen, so dass auch die "Märchen der Vorzeit" wohlwollend aufgenommen werden können.
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