Der große Verdienst der Autoren Sabersky und Zittlau ist zum einen, dass sie sich ohne Ideologie diesem weit gefächerten Bereich der Ernährungswissenschaft nähern und zum anderen als Quintessenz die schlichte '- aber wahre ' Erkenntnis, dass es kein allgemeingültiges, ultimatives Patentrezept gibt um das Maximum aus der Herrlichkeit der Natur auszuschöpfen. Und schon gleich gar nicht künstlich / chemisch.
Anschaulich entlarven sie z.B. die Propaganda der Nahrungsmittelergänzungsindustrie mit der Kernaussage, dass isolierte industriell gewonnene Einzelwirkstoffe, welche so in der Natur nicht vorkommen, niemals die gleiche Wirkung und Effizienz wie das Original erreichen können. Dazu gesellt sich ein deftiges empirsches Defizit das die heutige Wissenschaft gerne verschweigt. Beispielsweise wird im Buch erwähnt, dass in der Natur allein 270 Betakarotin-Varianten vorkommen. Welche Variation davon die optimale für den Menschen darstellt ' ist noch unbekannt. Es liegt hier viel mehr im Argen als man allgemein so annimmt.
Lobenswert ist auch die differenzierte Haltung zur Bio-Welle. Ethisch gesehen, brauchen wir uns darüber nicht zu unterhalten. Wer eine gewisse Empathie für Tiere und Pflanzen aufweist wird schon aus Prinzip Biolebensmittel bevorzugen. Doch Tierliebe und der konkrete gesundheitliche Nutzen von Bionahrungsmitteln sind zwei paar Stiefel. Ökonomisch völlig sinnlose Bio-Manöver (wie z.B. der Import aus dem Ausland nur weil bei uns gerade keine Saison ist oder damit der deutsche Bio-Discounter billiger einkaufen kann und in Ländern mit weniger guten Umweltstandards Wasser und andere Rohstoffe brachial verbrasst) werden genauso an den Pranger gesellt wie übertriebene Verherrlichung von einzelnen '"Allheilmitteln"' wie Grünen Tee, Omega-3-Fettsäuren und ähnlichen. Das auch Biolebensmittel teils mit Schadstoffen belastet sind ist eine unschöne aber nicht zu verleugnende Tatsache. Insgesamt schneidet Bio-Ware natürlich deutlich besser ab '- aber blind auf das Schlagwort 'Bio' sollte man sich auch nicht verlassen. Hier spielen übrigens die deutschen überregionalen und regionalen Bioverbände vom Schlage Bioland oder Demeter in einer ganz anderen Liga als die lasche EG-Bio-Norm. Zusätzlich dazu werden transparent Nahrungsmittelverarbeitungsketten dargestellt die aufzeigen, wie auch unwahrscheinliche (Schad-)Stoffe in das Endprodukt gelangen.
Ein großes Kapitel wird den Zusatzstoffen wie Aromastoffen, Emulgatorenn usw. gewidmet. Wer dieses Kapitel verinnerlicht hat wird vermutlich beim nächsten Einkauf die deklarierten Inhaltsstoffe nach detektivischen Maßstäben untersuchen.
Abschließend noch ein kurzer Überblick über die einzelnen Kapitel:
- Fastfood und Fertigkost
- Zusatzstoffe
- Lebensmittelallergien
- Kinderkost
- unser Fleisch
- Vegetarier und ihre Ernährung
- Nährwertverlust beim Kochen
- Vollwerkost
- Zucker und Salz
- Bier und Wein
- Tee und Kaffee
- Fisch als Gesundmacher
- Küchenweisheiten
- Gewürze
- konventionell angebautes Gemüse
- Biokost
- Vitamine
- Übergewicht
- gesunde Ernährung
So, nach dieser Lobeshymne fragt man sich natürlich wo die Kritik bleibt. Viel wird man nicht finden. Vielleicht die etwas zu pathetisch klingende Einleitung '"Die Wahrheit über..."' zu jedem Kapitel. Als einzigen echten Störfaktor konnte ich nur die vielen nichts sagenden Statistiken ausmachen. Obwohl: Dadurch, dass diese eben nichts aussagen, da sie sich alle widersprechen (eben je nachdem welche Parameter berücksichtigt und welche ausgeklammert werden) gibt es im Endeffekt doch eine ganz brauchbare Aussage für den Verbraucher: Ernährt Euch vielseitig und größtenteils natürlich '- dann seiht ihr auf der sicheren Seiten. Es gibt weder Allheilmittel noch potentiell tödliche Stoffe. Chronischen Gesundheitsaposteln wird dieses Buch deshalb wahrscheinlich nicht so gut gefallen, da es keine absoluten Wahrheiten enthält. Ein weiterer Beleg dafür, wie sauber die Ernährungswissenschaftlerin Annette Sabersky und der Sportmediziner Dr. Jörg Zittlau recherchiert haben.
Uneingeschränkt empfehlenswert.