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Herbert Rosendorfer, am 19. Februar 1934 in Bozen geboren, ist promovierter Jurist und Professor für bayerische Literatur. Er war Gerichtsassessor in Bayreuth, dann Staatsanwalt und ab 1967 Richter in München, von 1993 bis 1997 in Naumburg/Saale. Seit 1969 zahlreiche Veröffentlichungen, unter denen die Briefe in die chinesische Vergangenheit am bekanntesten geworden sind. Alle seine Bücher sind auch als Taschenbücher bei dtv erschienen.
Diese Tatsache ist jedoch nur ein schwacher Trost, denn eigentlich wollte er in der Stadt Min-chen ankommen, um bei seinem alten Freund, Herrn Shi-shmi, Unterkunft zu finden. Fünfzehn Jahre sind vergangen seit seinem ersten Ausflug tausend Jahre in die Zukunft, und so manches hat sich inzwischen verändert in Deutschland. Nach einer recht abenteuerlichen Reise per Anhalter gelangt er endlich nach Min-chen, jedoch nur um zu erfahren, daß Herr Shi-shmi zur Zeit nicht dort weilt, sondern in der im Osten gelegenen Stadt Lip-tsing. Kao-Tai macht sich also auf und reist in die von noch merkwürdigeren Großnasen bewohnte rote Schüsselprovinz.
Die Fortsetzung eines erfolgreichen Buches oder Filmes ist immer ein gewagtes Unterfangen. Herbert Rosendorfer ist es mit Die große Umwendung jedoch ein zweites Mal gelungen, den Leser in seinen Bann zu ziehen. Kao-Tais ganz besonderer Blick auf die seltsamen Sitten und Gebräuche der modernen westlichen Kulturen, die er nur "Großnasen" nennt, ist auch diesmal eine ausgesprochen vergnügliche Lektüre. Wieder einmal bekommt man vor Augen geführt, dass viele Dinge, die man als selbstverständlich hinnimmt, aus der Distanz des Fremden betrachtet, äußerst merkwürdig erscheinen. So wundert sich Kao-Tai z.B. darüber, dass es Länder gibt, die keinen Kaiser haben (undenkbar!), statt dessen regiert dort eine Art Obermandarin wie Herr Ko in Deutschland. Auch das Land selbst hat sich seit seinem letzten Besuch verändert, es ist nun zwar de facto nicht mehr zweigeteilt, aber die Bevölkerung teilt sich in "Os-sis" und "Wes-sis" auf, die anscheinend nicht besonders gut aufeinander zu sprechen sind. Die Os-sis leben in der sog. roten Schüsselprovinz unter kaum vorstellbaren Verhältnissen -- jedenfalls kommt es Kao-Tai so vor.
Diesmal beschränkt sich Rosendorfer jedoch nicht darauf, die Deutschen auf's Korn zu nehmen, auch die Amerikaner bekommen ihr Fett weg. Man stelle sich unseren Kao-Tai nur einmal in einer amerikanischen Großstadt vor! Es ist schon sehr abenteuerlich, überhaupt erst einmal dorthin zu gelangen, da man nicht einfach mit dem A-Tao-Wagen dorthin fahren kann, sondern in einen eisernen Flugdrachen steigen muß, und trotzdem dauert die Reise fast einen halben Tag. Kao-Tai ist froh, als er diese noch verrücktere Welt wieder verlassen kann, in der man ihm sein Lieblingsgetränk, an das der Leser sich vielleicht noch erinnert -- oh Schreck -- mit Eiswürfeln serviert. Auch mit einigen anderen seltsamen Gebräuchen kommt Kao-Tai in Berührung, so muss er z.B. ein merkwürdiges Singspiel ansehen und, was für ihn noch schlimmer ist, ein Spiel, das seine Gastgeber als "Spong" bezeichnen und das in ihrer Welt einen für ihn völlig unverständlich hohen Stellenwert zu haben scheint.
Dies sind nur ein paar Hinweise darauf, was unserem Gelehrten diesmal alles widerfährt. Wer die Briefe in die chinesische Vergangenheit gemocht hat, sollte sich diese neuen Briefe auf keinen Fall entgehen lassen. Sie garantieren auf jeden Fall einige ausgesprochen vergnügliche Lesestunden. --Monika Hübner
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