"Die grosse Stille unter dem Schnee" erzählt Hercule`s Geschichte. Ein kurzer Ausschnitt nur, keine Lebensgeschichte. Da sind sein Vater, der nur physisch mit ihm kommuniziert, seine Mutter, die sich weitestgehend von Problemen zu distanzieren sucht, der Lehrer, der Wissen noch mit dem Stock übermittelt. Einziger Lichtblick ist sein kleiner Bruder. Inmitten eines brutalen Umfeldes verkörpert er Sanftmut, Liebe und Wärme. Hercule befindet sich mehr und mehr in einer Traumwelt, die teils nicht minder traumatisch zu sein scheint als die reale.
Dieses Buch ist, vielleicht ähnlich wie "Niemandes Töchter", nichts für depressiv veranlagte Menschen. Es beginnt dunkel und endet nicht eben hoffnungsfroh. Aber es reißt den Leser mit sich, woran - wie ich finde - die Sprache einen großen Anteil trägt. Es ist nicht die Sprache eines Kindes, vielmehr die eines Erwachsenen, der zurückschaut. Was mich besonders fasziniert hat, ist die Tatsache, dass Hercule nicht leidig scheint - bei allem, was er erlebt - nein, "nur" emotionslos, hart. "Die grosse Stille unter dem Schnee" ist nicht geradlinig und birgt Überraschungen in sich. Eine Geschichte aus dem Leben. Ja. Kein schönes Leben - und nebenbei: Wer von uns könnte das von sich behaupten? Ponti urteilt nicht, er überlässt es seinen Lesern. Danke.
I.Mohr