Und siehe, der Herr ging vorüber und ein großer, starker Wind, der die Berge zerriss und
die Felsen zerbrach, vor ihm her; der Herr war aber nicht im Winde.
Und nach dem Wind kam ein Erdbeben, aber der Herr war nicht im Erdbeben.
Und nach dem Erdbeben kam ein Feuer; aber der Herr war nicht im Feuer.
Und nach dem Feuer kam ein stilles sanftes Sausen.
1. Buch der Könige, 19/11-13
Lärm, Hektik, Technisierung und Kommunikationsüberfluß sind Fremdwörter für die Mönche des Grande Charteuse, dem Karthäuserkloster in den Alpen Frankreichs. Der Regisseur und Produzent Philip Gröning hat die Mönche ein halbes Jahr lang begleiten und beim Beten und Arbeiten filmen dürfen. 19 Jahre nach der ersten Anfrage, bekam er schließlich die Drehgenehmigung und war damit der erste Filmemacher, der das Kloster betreten durfte.
DIE GROSSE STILLE ist kein gewöhnlicher Dokumentarfilm. Zwar dokumentarisch, jedoch ohne erklärende Worte, untermalende Musik oder Dialoge, haben die Mönche des als am strensten geltenden Ordens doch ein Schweigegelübde abgelegt. Ein Titel, der hält, was er verspricht. Zweieinhalb Stunden lang ist der Zuschauer dem bezaubernedem Panorama der Alpen, den bedrückend dunklen Gängen des Klosters und den Gesichtern der Mönche ausgesetzt. Sich ständig wiederholende Rituale, die monotonen Gesänge der Morgenmessen und nicht zuletzt die Länge des Films machen einem die Zeitlosigkeit klar, die in dem Kloster seit ca. 1000 Jahren gelebt wird. Zeit, so der Regisseur, sei auch das Hauptelement des Filmes, Bild und Ton seien eher nebensächlich. Der Film sei auch, anders als bei normalen Dokumentarfilmen, nicht auf Information, sondern auf Meditation ausgelegt. DIE GROSSE STILLE ist ein Film, auf den man sich einlassen muss und den man nicht unbedingt versteht, wenn man nichts über die Hintergründe weiss. Man lebt für diese zweieinhalb Stunden in der weltlichen Abgeschiedenheit des Klosters und wird sich bewusst, in was für einer lauten, hektischen Welt wir leben, in der es sehr schwierig geworden ist, wirklich zur Ruhe zu kommen. Philip Gröning beschreibt seinen Film nicht als Erzählung, sondern als Kloster. Und diesen Eindruck bekommt man auch vermittelt.
Es ist trotz aller Strenge und Eintönigkeit des Klosters beeindruckend zu sehen, in welchem Ausmaße diese Mönche ihr Leben der Stille vor Gott gewidmet haben. Selbst bei dem wöchentlichen Spaziergang, bei dem es den Mönchen erlaubt ist, miteinander zu sprechen und sich auszutauschen, wird hauptsächlich über theologische Themen diskutiert.
DIE GROSSE STILLE. Ein außergewöhnlicher Film, kein Popcornkino. Eine Reise in die Stille.