Fritz Pölking ist sicher einer der besten Natur- und Tierfotografen Deutschlands. In seinem Buch gibt er freigibig sehr viele nützliche Tipps aus der Praxis. Der Leser kann vom reichen Erfahrungsschatz des Autors profitieren, seine Angaben sind alle praxiserprobt und getestet. Im Gegensatz zu anderen Autoren favorisiert er nicht eine bestimmte Marke (Kamera, Film, Stativ), sondern stellt die Vorzüge bestimmter Objektivtypen (Brennweite, Öffnung) ausführlich dar. Sehr gut gefällt mir auch, dass er mehrmals betont, dass die technischen Daten der Objektive (z. B. Auflösung in Linien pro mm) nicht wirklich entscheidend sind, sondern das Bildergebnis. Wo Abbildungsfehler störend sein können (z. B. bei tonnenförmiger Verzeichnung bei Weitwinkel-Zooms und Horizont nahe dem Bildrand) weist er darauf hin.
Ich vergebe aber nur vier Sterne, weil ich einige Kritik an dem Buch habe. Manche Hinweise bleiben zu sehr an der Oberfläche und die flapsige Sprache kann missverständlich sein. Das Ziffernsystem zur Kategorisierung (1=Naturdokument/2=Wild und kontrolliert/3=Captive/4=Montage) ist leider nicht sehr einprägsam. Mir erscheint das System auch nicht ausgereift, für "Captive" müsste ein eingängiger deutscher Begriff her. Grundsätzlich bleibt auch offen, bei welchen Eingriffen ein Foto kein "Naturdokument" mehr ist, aus eigener Erfahrung weiss ich, dass oft ein einzelner Grashalm im Weg ist, wenn man eine Pflanze fotografiert. Ist das Bild dann "Wild und kontrolliert", wenn ich diesen einen Grashalm wegbiege? Oder ist es noch ein "Naturdokument"?
Insgesamt ist das Buch aber trotzdem absolut empfehlenswert.