Ab und zu gibt es auf dem deutschen Buchmarkt unbequeme Bücher, wenn dazu so ein Buch auch noch eine Neuauflage erfährt, ist es doch zugegeben interessant so ein Buch einmal in die Hand zu nehmen und zu lesen was es bietet. DIE GROSSE ENTEIGUNG von Otto Köhler, welcher im Übrigen nicht mit Horst Köhler - dem ehemaligen Bundespräsidenten - verwandt ist, berichtet über eine Firma die nie eine war und die doch zu den mächtigsten Instrumenten Deutschlands nach den IG Farben gehörte: die TREUHAND. Wer erinnert sich noch an dieses Objekt der Begierde oder war die Begierde eher auf das Vermögen der DDR gerichtet? Ein Schelm wer Böses dabei denkt...
Also es muss schon wahr sein was Otto Köhler da in seinem Buch DIE GROSSE ENTEIGUNG schreibt, sonst wäre das Buch schon bei seiner Erstauflage 1994 mit einem verbot belegt worden oder zumindest hätte es eine Unterlassungsaufforderung gegeben.
Doch was schreibt denn Otto Köhler so Brisantes? Ganz lapidar berichtet er über die Erschaffung eines Ungeheuers, der Treuhand, der Liquidierung und Verschleuderung eines Volksvermögens, dem arm - rechnen eines ganzen Staates und dem Auftürmen von Schulden wo es nur ging. Bizarr das Vorgehen der Kali Salz AG und ihres DDR Gegenstücks, wobei die Treuhand fast alle Schulden und Verluste übernahm, die BASF aber maßgeblich die Gewinne - in toller Vertrag, dass muß man den Wirtschaftsbossen schon zugestehen.
Doch auch die Rolle seines Namensvetters, Horst Köhler (alias Kobra), später Bundespräsident und vielen der Vorsitzenden der Treuhand, gibt das Buch eine transparente und sehr interessante Auskunft.
Der Verweis auf die von Hermann Göring geleitete Treuhand Ost mag schräg sein, doch das es schon einmal eine Treuhand gab, lässt tief blicken. Die Treuhand entwickelte sich für wenige zu einer wahren Goldgrube, doch den meisten war sie suspekt, warum wohl - die inneren Antriebe waren doch bestenfalls privater Natur, helfen wollte man nur af dem Papier - den Begriff abgewickelt darf man getrost mit der Treuhand und dem verschleuderten DDR Vermögen verbinden.
Insbesondere die zynischen und mitunter giftigen Seitenhiebe und Kommentare zu Mitarbeitern und Entscheidungsträgern die nicht konform sein wollten - lassen sehr tief blicken und zeigen auf das hier Kräfte am Werk waren denen man sich besser nicht in den weg stellen sollte. Jedoch darf, dank Pressefreiheit, darüber gesprochen werden.
Humor ist wenn man trotzdem lacht - falls Historiker dereinst einmal die Treuhand unter die die sprichwörtliche Lupe nehmen werden, wird dieses unbequeme Buch bestimmt einiges Erhellendes dazu beitragen.
Im Übrigen habe ich das Buch am 03.10.2011 gelesen, dem Tag der Deutschen Einheit - ich dachte das ist ein sehr passendes Datum für so ein Buch... geschmunzelt habe ich allerdings dann doch sehr, als im Radio es hieß, die zentrale Feier in Bonn würde mit geladenen Gästen (abgeschirmt mit Sicherheitskräften) aber ohne Volksbeteiligung vonstatten gehen - später war dann das Volk auch wieder zugelassen - ein Schelm wer Böses dabei denkt...
Empfehlenswert!