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Die große Beleidigung: Vier Erzählungen
 
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Die große Beleidigung: Vier Erzählungen [Taschenbuch]

Wolf Wondratschek
4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 144 Seiten
  • Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag (1. März 2003)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3423130598
  • ISBN-13: 978-3423130592
  • Größe und/oder Gewicht: 19,7 x 11,9 x 1,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 537.043 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Mehr über den Autor

Wolf Wondratschek
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Am Anfang sucht ein Schriftsteller nach dem vollkommenen Satz. Abgelenkt von seinem Sohn aber wollen auch die Wörter aufbegehren ("schienen sich miteinander zu unterhalten, anderswo brüllten Figuren dazwischen, die gegen ihre Erfindung protestierten"). Und dann steht er plötzlich doch noch da, gleich zu Beginn, klar und deutlich und nicht zu überlesen: "Die ganze Zeit, während er doch seit dem Aufwachen nur damit beschäftigt gewesen war, seinen Jungen zu beaufsichtigen, hatte der Schriftsteller Wrenkh an die fast zu Ende geschriebene Erzählung gedacht und an die Schwierigkeit, die er völlig unvermutet nun doch noch mit ihr hatte." Besser kann man eine Geschichte kaum beginnen.

Was Wrenkh in "Die Erfindung eines glücklichen Menschen" nicht bewerkstelligen kann, hat sein Autor Wolf Wondratschek in der Erzählsammlung Die große Beleidigung geschafft. Vier gelungene Geschichten hat er geschrieben über das Misslingen großer Daseins- und Kunstentwürfe: wie das des Geigenvirtuosen Victor Auermann etwa, der nach dem "Todesurteil" eines anonymen Zuhörers ("Zu gut für ein Orchester, als Solist nicht gut genug") nur mithilfe eines Teufelspakts wieder einigermaßen auf die Beine gestellt werden kann. Oder wie das von Wrenkh, den schon die Fantasie des eigenen Knaben überrollt.

Da hat man hin und wieder das Gefühl, dass all die grandiosen Sätze sich auch bei Wondratschek ihr Recht auf Eigenleben erstritten haben. Dann proben sie den Aufstand und wehren sich, sich zu einem großen Ganzen zusammenzuschließen. Aber das Gefühl währt nur kurz und macht wohligem Behagen Platz. Dann nämlich merkt man, dass auch dies nur ein weiterer brillanter Einfall Wondratscheks gewesen ist, dem sein Vorhaben gelang: d ie Erfindung zahlreicher glücklicher Sätze nämlich und damit die Erfindung eines guten Buchs. --Thomas Köster -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .

Neue Zürcher Zeitung

Etüden aus der Mottenkiste

Wolf Wondratscheks Erzählungen

Früher, ja, früher begannen Wondratscheks Tage mit einer Schusswunde. Da nahm er sich auch Rolf Dieter Brinkmanns Diktum noch zu Herzen, vergass, dass es so etwas wie Kunst gab, und fing einfach an. Dieses quasi-naive poetologische Verfahren zeitigte zwar nicht immer überzeugende Ergebnisse, aber ein paar der frühen Erzählungen und vor allem die Lieder aus «Das leise Lachen am Ohr eines andern» und «Männer und Frauen» stehen völlig zu Recht in den massgeblichen deutschsprachigen Anthologien – und Schulbüchern. Diese Texte zu lesen, ist fürwahr nicht das Schlechteste, was einem im Deutschunterricht so widerfahren kann. Sie sind auf eine hübsche Weise sentimental, welthaltig, offenbaren das nötige Gespür für den poetischen Augenblick und die stilistische Potenz, den abzukonterfeien. Hier war Wondratschek auf Augenhöhe mit seiner Zeit, auch deshalb, weil er die populäre Kultur als poetisches Substrat durchaus ernst nahm.

Mittlerweile ist er beim Alterswerk angelangt. Jetzt zeugt noch jeder Nebensatz von der hehren Absicht, Kunst herzustellen. Und nur darum geht es auch in diesen vier neuen Erzählungen: um die Bedingungen, Modi, Begleitumstände der Kunst und um die sich daran zuschanden Arbeitenden, an ihr leidenden, desillusionierten, weil zumeist gescheiterten Persönlichkeiten. Und natürlich werden dabei die grossen alten Probleme der Ästhetik noch einmal gewälzt: etwa das der Reflexion im künstlerischen Schaffensprozess, das notwendig die Grazie des Werks zerstören muss; die Frage nach der Funktion von Kunst oder nach ihrem Verhältnis zur Wirklichkeit.

Für Letztere scheint sich Wondratschek besonders zu interessieren, denn sie wirkt immerhin strukturbildend für drei der Geschichten. Und er beantwortet diese Frage gut ästhetizistisch: Das Leben steht der Kunst im Wege, es verhindert – oder verunreinigt sie doch zumindest. Und vice versa sind diejenigen, die ihr Leben der Kunst geweiht haben, nicht wirklich am Leben. Nach Art einer Versuchsreihe spielt er dieses Modell mehrfach durch. In der Titelgeschichte «Die grosse Beleidigung» etwa ist es das Publikum, das den nach eigener Einschätzung virtuosen Geiger Auermann so sehr einschüchtert, dass er im Konzert nur mehr mediokre Qualität abzuliefern vermag und schliesslich am Missverhältnis von eigentlich Gekonntem und tatsächlich Geleistetem zerbricht.

In «Die Erfindung eines glücklichen Menschen» wird der Schriftsteller Wrenkh von seinem kranken Sohn daran gehindert, eine so gut wie vollendete Erzählung fertigzustellen; er kann sich nicht richtig konzentrieren, immer wieder gewinnen Gedanken, die sich um das Spiel mit seinem Sohn drehen, die Oberhand, vermischen sich mit der Geschichte und verdrängen sie schliesslich ganz. Und in der Auftakterzählung «Giotto» stellt uns Wondratschek zwar einmal einen Protagonisten vor, der durchaus künstlerisch produktiv ist, dem dafür aber mehr und mehr die Welt abhanden kommt, der in Einsamkeit und Lethargie dahindämmert und zu allem Überfluss noch sukzessive sein Augenlicht verliert. Bis er schliesslich ausbricht, um das Leben nachzuholen – und dann, selbstredend, künstlerisch verstummt.

Am Ende des Buches steht ein Hinweis, dass die Erzählungen in Wien geschrieben worden seien. Man hätte es sich fast gedacht, denn sie atmen allesamt diesen Fin-de-Siècle-Brodem. Die einschlägigen Themen werden hier verhandelt, das Personal stammt direkt aus der k. u. k. Monarchie, jedenfalls spricht, denkt und verhält es sich ganz so dekadent, müssiggängerisch, überfeinert und zynisch, wie es zur vorletzten Jahrhundertwende wohl en vogue war. Und Wondratschek befleissigt sich einer stilistischen Geziert- und Gespreiztheit, dass es manchmal so klingt, als habe er die Wiener Altmeister parodieren wollen (was ihm seine grenzenlose Ironie- und Humorlosigkeit aber natürlich verbietet).

Diese anachronistisch-behäbige Affektation ist ärgerlich von Beginn an, vor allem weil sie der Langeweile noch einmal eine neue Dimension erschliesst. Und nur die reine Perfidie hält einen bei der Stange, vielleicht doch noch nicht die geschraubteste, verzopfteste, abgeschmackteste Passage angestrichen zu haben. Möglicherweise ist das der folgende Dialog (sicher bin ich mir nicht):

«Ich habe mich heiraten lassen, meine Beste, allerdings, zugegeben, ganz gegen jede meiner Überzeugungen diesbezüglich. Bei jeder stellte ich mich in den Dienst einer anderen Lüge. Jede bezahlte mich mit ihrer Schönheit. Und zahlte dann mit dem Leben . . .

Was waren das für Frauen? Ich bin neugierig, erzählen Sie. Waren es, ausser dass sie schön waren, wie sie behaupten, auch intelligente Frauen?

Nicht dass ich es je bemerkt hätte, nein. Aber kommt es darauf an?

Nun ja, es ist vielleicht insgesamt amüsanter mit intelligenten Menschen, nicht?

Kenner schwören auf dumme Frauen, wussten Sie das nicht?

Interessante Theorie. Sie dachte darüber nach. Hatte sie, wenn sie früher vor dem Spiegel stand, nicht auch häufiger ihren Hintern begutachtet als ihr Gesicht? War ein Hintern nicht eine ehrlichere Haut als ein Gesicht? Ein Hintern war nicht auf Schminke angewiesen, sondern auf Durchblutung. Ein Hintern war eine runde Sache, wenigstens so lange, bis er die Form einer abfallenden Fieberkurve annahm. Gab es nicht Frauen, die nur aus Hintern bestanden, einem Hintern, gross wie ein Stück Marmor?»

Nun muss man sich angesichts solcher Stellen nicht nur fragen, was der Mann eigentlich nachts träumt, sondern auch, wen diese Etüden aus der Mottenkiste überzeugen sollen. Übrigens, dieselbe Dame, deren Gedanken Wondratscheks Erzähler hier referiert, zeigt sich kurz vorher noch fasziniert von einem barmherzigen Poeten, «der Gedichte verfasst, sie dann auswendig gekonnt und das Papier, auf dem sie geschrieben waren, ins Feuer geworfen hatte», auf dass nichts, aber auch gar nichts dem Publikum zu Gesicht komme. Interessante Methode. Darüber sollte er mal nachdenken!

Frank Schäfer -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .


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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
In die Seele geschaut... 30. November 2005
Format:Taschenbuch
Jetzt hab ich mich beim Lesen von Wondratscheks Erzählungen so wunderbar amüsiert,hab laut gelacht,geschmuzelt war bisweilen tief bewegt und sehe dann,das Herr Schäfer von der NZZ das Buch zerreisst.Wahrscheinlich bin ich halt zu blöd.Als Musiker habe ich schon selbst so manchen Rezensenten in all seiner besserwissenden,geblähten Verachtung erlebt...
Wie kann mich ein Schriftsteller berühren?Was macht er verkehrt wenn ich Ihn nicht verstehe?Der Kontakt zur menschlichen Seele ist halt doch eine schwierige Kunst und muss beiderseitig gewollt werden.
Die Geschichten sind ideal zum "durchlesen";jede Unterbrechung beim Lesen macht den Wiedereinstieg in Wondratscheks Gedanken und Sprachwelt nur umständlich;irgendwie ist es wie in der Musik,man muss die Klangsprache des Komponisten absorbieren,gleichsam mitschwingen.Die Belohnung ist dann gross.Das Seelenleben der Künstler in diesen Erzählungen wird in aller Tiefe und Menschlichkeit beschrieben.Klischees werden nie als solche zur Belustigung verwendet,wenn überhaupt,wird Ihnen humorvoll auf den Grund gegangen.Vielleicht liegt,wie so oft,die Befriedigung des Lesers im Wiedererkennen und so fühlt man sich als Leser "ernst genommen".Wondratscheks uneitle,menschliche Erzählweise berührt besonders in "Die Erfindung eines Glücklichen Menschen".Er schmiert dem Leser keine Weisheiten auf's Brot,sondern lässt Ihn diese scheinbar selbst erkennen.Interessant ist,das gerade die NZZ Kritik genau die Schwächen und Eitelkeiten offenbart,die Sie vermeindlich in Wondratscheks Erzählungen angreift.Die Mühelosigkeit,der Witz,die scharfe Beobachtungsgabe stehen bei Wondratschek immer im Dienst der handelnden Figuren;gerade weil hier kein Funke von schriftstellerischer Eitelkeit zu finden ist,lassen die Erzählungen mich als Leser zum interesssierten Beobachter werden.Vielleicht ist Wolf Wondratschek,der nicht mit einem Auge nach der Kritik schielt und seinen eigenen Weg geht,für dieselbe deshalb besonders angreifbar....
Ich kann,als literarischer Amateur "Die grosse Beleidigung" nur wärmstens weiterempfehlen.
War diese Rezension für Sie hilfreich?
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von m_l
Format:Taschenbuch
Wondratschek trifft in seinen Kurzgeschichten in diesem Buch den Nagel wie immer auf den Kopf und deckt Blickwinkel auf die so manch anderem verborgen geblieben würden.

Allerdings ist es auch schwere Lesekost.
Die Geschichten sollten in einem durchgelesen werden da man ansonsten Gefahr läuft den Faden zu verlieren!

Literarisch allereste Sahne!
War diese Rezension für Sie hilfreich?
2 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
Ohne hier dem Leser etwas vorweg zu nehmen. Diese Buch ist das beste was ich seitlangem gelesen habe. Es fürt ein in die Gedankenwelt von Menschen wie du und ich, bleibt aber dennoch fern von den ewigen every-day-the-same-Büchern. Es gibt eindrücke und gefühlsbilder von Menschen ohne den zwang sich dem Protagonisten unterzuorndnen. Eine schöne Lektüre mit der man sich auch länger und tiefer beschäftigen kann. Ein muss für jeden der gerne über Menschen auf der suche nach sich selbst liest.
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