Paul Veyne, 1930 geboren, kommt eigentlich von der Soziologie her und ist einer der bekanntesten und produktivsten französischen Historiker. In Deutschland hat er in der letzten Zeit oft mit dem Historiker Christian Meier zusammengearbeitet, der zu dem vorliegenden Band auch ein Geleitwort geschrieben hat.
Vor einigen Wochen ist ein weiteres Buch von Paul Veyne auf dem deutschen Markt erschienen unter dem Titel "Als unsere Welt christlich wurde", das mit einigen auch und gerade unter Theologen weit verbreiteten Irrtümern über die konstantinische Wende aufräumt und dessen Thesen sicher weiter diskutiert werden.
Im vorliegenden Buch, wie das eben schon erwähnte als Essay verfasst , gut lesbar und informativ, geht er der Frage nach, wie es die Griechen und die Römer mit den Göttern hatten, beschreibt die religiöse Landschaft des Mittelmeeraums, bevor sie christlich wurde. Und wie hatten es die Götter mit den Menschen ?
Er beschreibt die ganze Vielfalt des Sich-Verhaltens gegenüber den Göttern, glaubend oder nur Riten vollziehend. Er beschreibt ein Leben mit Göttern, wo jede Volksversammlung mit Gebeten beginnt, wo man vor jeder Kriegshandlung die Götter befragt, wo jedes Schlachten ein Opfer ist und sportlicher Wettkampf sowie Chorgesang und Tragödien zur Ehren der Götter auf religiösen Festen veranstaltet werden.
Spannend ist seine Schilderung jenes längeren Vorgangs, wo sich Philosophen und Gebildete von den einfachen Rechnungen mit göttlichen Belohnungen oder Strafen lossagen und ein neues Bild der Gottheit erdenken, das auf einen, wie Veyne sagt, latenten Monotheismus hinausläuft.
Man kann Chrisian Meier nur zustimmen, wenn er am Ende seines Geleitwortes schreibt:
"Man begrüßt es, dass der Reclam Verlag hier ein neues Stück aus der Werkstatt dieses großen französischen Gelehrten, dieses unruhigen Geistes, dieses Außenseiters, der mitten in seiner Wissenschaft steht, nach Deutschland bringt. Europa ist ungeheuer reich, gerade durch die Vielfalt seiner Wissenschaftskulturen. Gewiss, die Wissenschaft ist diesseits und jenseits des Rheins dieselbe. Aber die Fragen, die Zugänge zu ihr sind sehr unterschiedlich. Gerade Paul Veynes Werk macht dies ganz deutlich. Man muss es allerdings zur Kenntnis nehmen."
Was der Rezensent, nicht nur für das vorliegende, sondern auch für das schon erwähnte "Als unsere Welt christlich wurde" nur empfehlen kann.