Für 5 Oscars nominiert, gehört dieser Streifen aus dem Jahre 1965 zu den wirklich großen Filmen über das Leben Jesu. Regisseur George Stevens ging mit ungeheurem Ehrgeiz an dieses 20-Millionen-Dollar-Projekt und inszenierte den Stoff des Neuen Testaments völlig jenseits des damals oftmals üblichen farbig-bunten Bibelkitschs, ohne Pathos und ohne irgendwelche „Stimmen vom Himmel", darum umso mehr mit beeindruckenden Bildkompositionen und einem Gespür für die Botschaft des Neuen Testaments. Natürlich agieren auch hier Tausende von Statisten, aber immer mit einer wohl dosierten Zurückhaltung und Sanftheit, übertriebene Massenszenen gibt es nicht, auch keine Szenen von Gewalt, diese nimmt der Zuschauer nur indirekt wahr. Reißerische Momente, Akzente von Spannung lässt der Film auf Grund der Bibelvorlage nicht zu.
Dieser Film lebt von seiner Geschichte, wie der Titel es ja schon sagt, und auch von seinen tollen Darstellern. George Stevens hat damals viele bekannte Schauspieler Hollywoods verpflichtet, selbst die kleinsten Nebenrollen hat er mit damaligen Superstars wie Sidney Portier, Richard Conte, Van Heflin und John Wayne besetzt. Meines Erachtens gibt Max von Sydow, der als Schwede im Original ein unglaublich gutes Englisch spricht, eine überzeugende Darstellung als Jesus ab, er mimt den Schmerzensmann überzeugend. Weiterhin sind u.a. zu sehen David McCallum (Judas), Martin Landau (Kaiphas), Telly Savalas (Pilatus), Roddy McDowall (Matthäus), Charlton Heston (Johannes der Täufer), Jose Ferrer (Herodes Antipas) und Claude Rains (Herodes der Große). Die Sets des Films sind überzeugend, die Kostüme und Bauten atmen antikes Flair. Zudem werden auch historische Aspekte authentisch angerissen.
Das DVD-Cover nennt ein Bildformat von 2.35:1, tatsächlich wird ein Bildformat von phantastischen 2.70:1 geboten, womit das Bildformat der Warner-DVD "Ben Hur" erreicht wird (wahlweise kann ich über das Setup meines Scott-DVD-Players auch ein Bildformat von 1.85:1 wählen!). Als großer Liebhaber dieses Streifens konnte ich erstmalig den vollständigen Original-Vorspann mit Ouvetüre genießen. In der Mitte des Films gibt es eine Pause, die mit einem weiteren Segment aus dem bislang unerwähnten wunderschönen Soundtrack von Alfred Newman unterlegt wird. Besonders erfreulich fand ich, dass ich erstmalig eine offensichtlich vollständige Fassung des Films zu sehen bekam. Denn die deutsche Kinofassung ließ gegen Ende des Films die Sequenzen mit den Skrupeln und dem Ende des Verräters Judas unter den Tisch fallen, während man nun endlich sehen kann, wie er im Hofe des Jerusalemer Tempels seine Tat bereut und sich das Leben nimmt - kurioserweise stürzt er sich entgegen bekannter Leseart in das Opferfeuer des Tempels.
Bedauerlich ist, dass die DVD außer einem Original-Kinotrailer keine Extras aufweist. Ein „Making of" wäre die Krönung gewesen. Dennoch: diese DVD hat meine Erwartungen mehr als erfüllt. Wer Bibelfilme oder ähnliche Filme diese Genres liebt, sollte unbedingt zugreifen!