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Die größere Hoffnung. SZ-Bibliothek Band 72
 
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Die größere Hoffnung. SZ-Bibliothek Band 72 [Gebundene Ausgabe]

Ilse Aichinger
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 286 Seiten
  • Verlag: Süddeutsche Zeitung / Bibliothek; Auflage: 1., Aufl. (15. September 2007)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3866155220
  • ISBN-13: 978-3866155220
  • Größe und/oder Gewicht: 21 x 12,8 x 2,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 18.206 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Ilse Aichinger
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Produktbeschreibungen

Buch der 1000 Bücher

Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)

Die größere Hoffnung
OA 1948 Form Roman Epoche Moderne
Ilse Aichingers einziger Roman ist eine literarische Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und dem Zweiten Weltkrieg der unmittelbaren Nachkriegszeit. Er schildert das von Angst und Terror erfüllte, ständig zwischen Hoffnung und Verzweiflung pendelnde Leben einer Gruppe von rassisch verfolgten Kindern in einer großen Stadt, die unschwer als Wien zu erkennen ist.
Entstehung: Als »Halbarierin« war Aichinger in der NS-Zeit nicht unmittelbar bedroht, musste allerdings miterleben, wie nahe Verwandte deportiert wurden. Diese leidvollen Erfahrungen bilden die autobiografische Basis des Romans, dessen Hauptfigur Ellen ebenfalls zwei »falsche«, d. h. jüdische Großeltern hat. Die größere Hoffnung entstand in den ersten Nachkriegsjahren und nahm Aichinger dermaßen in Anspruch, dass sie ihr Medizinstudium abbrach.
Inhalt: Die etwa 15-jährige Ellen nährt vergeblich die große Hoffnung, ihrer Mutter in die Emigration folgen zu dürfen, und muss stattdessen bei ihrer »falschen« Großmutter bleiben. Alle ihre Freunde haben mindestens drei »falsche« Großeltern und leben in ständiger Angst vor der geheimen Polizei. Es ist ihnen nahezu alles verboten, sie dürfen nicht auf Parkbänken sitzen, müssen auf dem Friedhof spielen und den gelben Stern tragen. Ellen leidet darunter, nicht ganz zu ihnen zu gehören, da sie als »Halbjüdin« nicht den Rassegesetzen unterliegt.
Als sich ihre Großmutter aus Angst vor der Deportation das Leben nimmt und alle ihre Freunde verhaftet werden, läuft Ellen durch die heftig umkämpfte Stadt und wird bei dem Versuch, eine militärische Nachricht zu überbringen, durch eine explodierende Granate zerrissen. Kurz vor ihrem Tod erscheint Ellen ihr Freund Georg, dem sie anstelle der zerstörten eine neue Brücke bauen will, die den Namen »die größere Hoffnung« tragen soll.
Aufbau: Der Roman besteht aus zehn Kapiteln. Er beginnt mit Ellens Versuch, ein Visum zu erlangen, und endet mit ihrer Entrückung und ihrem Tod. Die Chronologie der Ereignisse wird zwar gewahrt, doch ist es mehr ein assoziatives Fortschreiten, in dem Bilder aus der Traum- und Fantasiewelt mit solchen aus der Wirklichkeit zu einem vielschichtigen sprachlichen Gewebe verknüpft werden, das den Gesamteindruck des Romans stärker beherrscht als die eigentliche Handlung. Dieser Eindruck wird noch verstärkt durch die Vermeidung einer konkreten Ortsangabe – nie wird Wien als Schauplatz der Romanhandlung genannt – und jeder genauen historischen Fixierung. Die Worte Juden, Nationalsozialismus oder Hitler kommen im Text nicht vor, der konkrete Terror des Nationalsozialismus und die Schrecken des Zweiten Weltkriegs werden dadurch ins Symbolische überhöht.
Wirkung: Der Roman fand anfangs nur wenige Rezensenten und Leser. Offensichtlich erfüllte er nicht die Erwartungen, die viele Menschen nach dem Ende des Kriegs und des nationalsozialistischen Terrors an die Literatur stellten. Statt Anklage und Abrechnung mit dem Hitler-Regime zu liefern, ging Aichinger auf irritierende und schockierende Weise auf die Ängste, Demütigungen und Selbstanklagen der Opfer ein. Die größere Hoffnung ist zwar bis heute kein Bestseller geworden, doch ist es, nach einem Wort von Peter R Härtling, immer noch »ein Buch, das geduldig auf uns wartet«. R. Mi. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .

Kurzbeschreibung

Es ist Krieg. Das Mädchen Ellen hofft, ihrer nach Amerika emigrierten Mutter nachfolgen zu können. Doch sie, die bei ihrer falschen Großmutter in Wien lebt, erhält vom Konsul kein Visum. Ellen trifft auf andere Kinder, die das gleiche Schicksal teilen. Da ihnen und Ellen alle Orte verwehrt sind, bleibt ihnen nur der Friedhof zum Spielen; oder der Dachboden, wo sie Englisch lernen und das Krippenspiel aufführen. Zwar haben die Kinder Angst vor der geheimen Polizei, dennoch hält Ellen die Hoffnung hoch, entkommen zu können, auch nachdem dieGroßmutter gestorben ist, die Bombardierungen zunehmen, die Front immer näher rückt und sie die anderen Kinder aus dem Blick verliert. Bei der Einnahme der Stadt durch fremde Soldaten trifft Ellen auf Jan, einen ihrer jungen Offi ziere. Als er verwundet wird, schreibt er eine Nachricht, die sie seinen Kameraden bei den Brücken überreichen soll: "Irgendwann musste man springen. Ellen wusste, dass sie keine Zeit mehr hatte. Sie wusste, dass sie bald springen würde. Es war alles ein einziger Anlauf gewesen ...".

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Ohne Handlungsstrang 12. Mai 2011
Format:Gebundene Ausgabe
Ich offenbare, dass ich das Buch nicht zuende gelesen habe. Wie oft die Formulierung mit den falschen Großeltern vorkam, konnte ich nicht zählen. Ich habe keinen Handlungsstrang erkannt. Es sind surreale Traum-, Fantasie-, Gefühlswelten, die immer wieder das Leid und die verzweifelte Hoffnung der Kinder zum Thema hat. Ich muss aber nicht einhundert Mal die Abwandlung der immer gleichen Aussage lesen, um zu begreifen, was die Autorin sagen will. Ich habe einige Bücher zum Krieg gelesen (Solschenizyn, Borchert, Remarque, Bunin, Kertesz, Sartre, Andersch, Anne Frank, Begley...). Jedes habe ich mit Interesse und starken Gefühlen zuende gelesen. Aichingers Werk hingegen nicht, weil es mich nicht fesseln konnte. Wer realistische Handlungen oder einen "roten Faden" benötigt, liest dieses Buch m. E. eher nicht.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Wortgewaltig 3. Januar 2010
Format:Gebundene Ausgabe
Mehr noch als der Inhalt, hat mich Aichingers Schreibstil gefesselt. Schon nach der ersten Seite fängt es einem an zu schwindeln - man fühlt sich hineingezogen in Ellens konfuse Welt, voller wichtiger und nichtiger Gedanken; es ist, als würde man direkt in einen fremden Kopf springen und nun durch Ellens Augen den Krieg betrachten - oder besser die damit einhergehenden Umstände.
Gegen den Willen der Mutter bleibt das Mädchen zurück, als diese nach Amerika auswandert. Von da an muss sie bei ihrer "falschen" (also jüdischen" Großmutter und der Tante wohnen. Eines Tages verschwindet die Tante spurlos - wahrscheinlich deportiert.
Ellen, vollkommen verzweifelt, weil man ihr kein Visum ausstellen will, streicht durch die Stadt und findet unverhofft Freunde - eine Gruppe Kinder mit lauter falschen Großeltern, weswegen sie kaum ein Geschäft betreten können und keinen Ort zum Spielen haben. Jeden Tag warten sie am Flussufer darauf, dass ein Kind in die Fluten fällt, damit sie es retten können und so die Erlaubnis des Bürgermeisters bekommen, andere Orte zu betreten. Ellen freundet sich mit den Kindern an und gemeinsam erleben sie erdachte Abenteuer. Doch nach dem Tod der Großmutter entfremden sich die Kinder langsam voneinander...

Eindruckvoll und wortgewaltig zeichnet Aichinger die Hilflosigkeit eines Mädchens nach, dass auf sich allein gestellt auf einen Ausweg wartet und die Hoffnung bis zuletzt nicht aufgibt.

Zitat:Der Schrank musste verkauft werden. Um welchen Preis verkauft man, was man liebt?
"Dich für Geld", erklärte Ellen dem Bücherschrank, "und das Geld für die Grenze. Du musst mich verstehen, dich für die Grenze!"
Mit beiden Armen versuchte sie ihn zu umfangen.
Der erste Käufer ging, weil er keinen Sinn für Beziehung zwischen Traum und Geschäft hatte, der zweite ging, weil er in einem Winkel des alten Schranks eine Spinne entdeckte, und erst mit dem dritten konnte Ellen eine Verhandlung versuchen. Es war keine schlechte Verhandlung, da sie mit Schweigen begann. Als beide lange genug geschweigen hatten, um sich ein wenig kennezulernen, warf Ellen dem verblüfften Käufer ihre märchenglänzenden Argumente an den Kopf. Sie sprach für den alten Schrank.
"Er knarrt!", sagte sie, legte den Finger an den Mund und bewegte sachte die morschen Flügel. "Und wenn drüben ein Zug vorbeifährt, beginnen seine Scheiben zu klirren. Wollen Sie warten, bis ein Zug vorbeifährt?"
Der Käufer setzte sich auf einen Lehnstuhl, der sofort umkippte. Er stand wieder auf, antwortete aber nicht. "Er riecht nach Äpfeln", flüsterte Ellen drohend und hilflos. "Ganz unten ist ein Brett zuwenig, da kann man sich verstecken!"
Vergeblich versuchte sie, das Unfassbare in harte Worte zu fassen. [...] "Im Herbst kracht er, als ob er ein Herz hätte!", erklärte sie statt dessen triumphierend.
"Kracht man im Herbst, wenn man ein Herz hat?", fragte der Käufer. Dann warteten sie wider stumm auf den Zug.
"Der Wind geht!", sagte Ellen, als müsste auch dieser Umstand den Wert des Schranks beweisen. "Wieviel wollen Sie zahlen?"
"Ich warte", sagte der Käufer unbeweglich. "Ich warte auf den Zug."
Der Zug kam. Die Scheiben klirrten.
"Er hat Angst", sagte Ellen und wurde blass, "der Schrank hat Angst vor Ihnen."
"Ich nehme ihn", sagte der Käufer.[...]
"Danke [...] aber ich weiß nicht - er hat Angst vor Ihnen."
"Er wird sich beruhigen" [...]
"Können Sie ihn bezahlen?" [...]
"Nein", antwortete der Käufer traurig, "nein, ich kann ihn nicht bezahlen. Er knarrt und riecht nach Äpfeln. Ich bleibe Ihr Schuldner." Und er legte fünfhundert Mark auf den Tisch. [...]"Sagen Sie Ihrer Großmutter: Nichts über einen tiefen Traum." Und der Käufer ging, ohne den Schrank jemals abzuholen. Er hatte den Apfelduft gekauft und Ellens blasses Gesicht.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Krieg aus Kindersicht 19. April 2007
Format:Taschenbuch
Wie man als Kind den Krieg erleben kann, das schildert Ilse Aichinger, selbst Zeitzeugin, in diesem Buch. Die jüdischen und halbjüdischen Kinder sind verstört, ausgeschlossen aus der Gesellschaft, flüchten sich ins Spiel, in den Traum. Die Protagonistin Ellen muss schon am Beginn des Buches ihre große Hoffnung aufgeben, die Hoffnung auf das Visum, auf Freiheit, auf Leben, auf das Diesseitige. Aber es gibt noch eine größere Hoffnung. Diese wird von Anna, einer Freundin Ellens angesprochen, die Deutschland Richtung Polen verlassen muss und wohl schon weiß was sie erwartet. Diese größere Hoffnung ist wohl als etwas umfangreicheres zu sehen als die große Hoffnung.

Ist die große Hoffnung etwas Persönliches, etwas Diesseitiges, so ist die größere Hoffnung vielleicht etwas Kollektives, etwas Jenseitiges - vielleicht durch den individuellen Tod, durch das Geben des Lebens einem größeren Ziel zu dienen, dem Ziel die Welt wach zu rütteln, die Deutschen, die Täter wach zu rütteln. Nicht mehr das persönliche Seelenheil, sondern das einer ganzen Gemeinschaft, den Verfolgten zu ermöglichen.

Das sind Gedankengänge, die ich zu dem Buch habe und die natürlich keineswegs stimmen müssen. Überhaupt lässt das Buch sehr viel Freiraum zur Spekulation, da die Welt durch die Augen eines jungen Mädchens gesehen wird und auch so verstanden wird. Präzision, Zeitangaben, Hergang und Entwicklung des Krieges bleiben dabei außen vor und somit kann der Krieg geschildert werden, wie er wirklich war.
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