Das positive zuerst: Dass Schlink ein Meister der Sprache ist, merkt man auch bei diesem Roman. Außerdem ist die Handlung ausgesprochen spannend, langweilig wird einem beim Lesen nicht. Aber das ganze ist eine Aneinanderreihung der unwahrscheinlichsten Zufälle und irrsinnigsten Unglaublichkeiten. Die womöglich bizarrste Absurdität: Nachdem die Hauptfigur, Georg Polger, seine in Frankreich plötzlich verschwundene, mit Spionen zusammenarbeitende Geliebte in New York (wo er sie nur deshalb sucht, weil in ihrer Wohnung in Frankeich ein Bild einer New Yorker Kirche an der Wand hing!) wiedergefunden hat, droht er, er werde ihr Baby ermorden, falls sie ihre Auftraggeber über seine Anwesenheit informiert. Das stört die Frau aber überhaupt nicht, vor lauter Wiedersehensfreude schläft sie erst mal mit Polger und als sie am nächsten Morgen die Wohnung verlässt, nimmt sie ihr Baby nicht wie sonst mit, sondern überlässt es völlig freiwillig Polger stundenlang zur Betreuung! Anders als in einer anderen Rezension zu lesen war, können selbst Männerhirne (jedenfalls meines) sowas nicht nachvollziehen. Alles in allem ist das Buch deshalb höchstens mittelmäßig.