Lea ist Anfang 30 und hat alles: ein Haus, einen gut verdienenden Ehemann und jede Menge Luxus. Sie ist eben eine "glückliche Hausfrau". Zum perfekten Glück fehlt (ihrem Mann) nur noch ein Kind, und so lässt sie sich auf das Abenteuer ein. Doch Kinderkriegen ist wahrlich kein Kinderspiel. Schwangerschaft bedeutet vor allem 9 Monate Unbequemlichkeit und eine Geburt ist eine schmerzhafte und blutige Angelegenheit. Das beschreibt die Autorin dermaßen respektlos, dass einem das Lachen im Hals stecken bleibt. Die ersten 100 Seiten sind ein Feuerwerk an Originalität mit viel Tempo und unglaublich präzisem, zynischen Witz.
Dann ist das Baby endlich auf der Welt, doch Freude will bei Lea nicht aufkommen. Traumatisiert von der schweren Geburt versucht sie in geistiger Verwirrung sogar ihr Baby zu töten und wird in die Psychiatrie eingewiesen... Beim Rest des Buchs ist dann leider dir Luft raus. Tränenreich arbeitet Lea mit ihrem Psychiater das Verhältnis zu ihrem vor 20 Jahren verstorbenen Vater auf. Diese rührseelige Leidensgeschichte passt leider so gar nicht zu dem vielversprechenden, spritzigen und rotzfrechen Anfang. Auch inhaltlich ergibt das Ganz keinen rechten Sinn. So wird nicht klar, was das schwierige Vater-Tochter-Verhältnis nun wirklich mit ihrer nachgeburtlichen Psychose zu tun hat. Das zu erklären scheint der Autorin auch nicht wichtig.
Das Buch zerfällt damit inhaltlich und sprachlich in zwei Hälften, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Schade, der Anfang ist nämlich wirklich brilliant. Leider kann das Buch das hohe Niveau der ersten Kapitel nicht halten, baut (etwa ab der Mitte) von Seite zu Seite mehr ab und verliert sich schließlich in einem drögen, lauen Schluss. Deshalb gibt es insgesamt leider nur eine mittelprächtige Bewertung.