Ein junger Künstler, der sich im Winter auf eine einsame Insel im Osten Kanadas zurückgezogen hat, findet die Leiche eines alten Mannes, die in einem Eisblock angeschwemmt wird. Als er in die Stadt zurückgekehrt ist, besucht ihn eine Frau, die ohne Wissen ihres Mannes aus der ländlichen Einsamkeit zu ihm gereist ist, und berichtet, dass sie mit dem Toten eine Jahrezehnte dauernde Liebesbeziehung hatte. Diese Begegnung löst bei dem Künstler aus, sich mit der seit Jahren verdrängten eigenen Familiengeschichte zu beschäftigen. Im Mittelteil des Buches steht der Bericht des Verstorbenen, der die Geschichte seiner Familie aufgeschrieben hat, die als Holzfäller und Hopfenfarmer in einschneidender Weise in die Ökologie eingegriffen haben.
Vorsicht - das ist nicht nur ein sehr poetisches Buch mit wunderbaren Beschreibungen der Landschaften an der kanadischen Ostküste - es ist auch sehr starker Tobak. Es handelt von Defekten und von der Einsamkeit. Es geht um nicht wieder umkehrbare einschneidende Veränderungen, Verkarstungen, Versandungen, die menschlicher Unternehmergeist der Landschaft angetan hat. Aber auch die handelnden Personen leiden darunter, dass ihnen etwas fehlt, die Fähigkeit zu sehen, richtig zu laufen, sehr häufig die Fähigkeit zu lieben. Wenn sie lieben können, fehlt Ihen die Liebe des von ihnen geliebten Menschen. Gibt es Liebe, so ist sie behindert wie bei den beiden Hauptpersonen, einer autistischen Frau und einem Mann, der an der Alzheimer Krankheit leidet und an ihr zugrunde geht. Auch bleibt es offen, ob es sich dabei nicht nur um eine krankheitsbedingte Einbildung handelt. Und wenn es eine erfüllte Liebe gibt, wie bei dem jungen Künstler, dann wird sie dadurch belastet, dass die Partnerin von dem verdrängten tödlichen Konflikt mit seinem alkoholkranken Vater ferngehalten wird.
Es ist ein Gebirge von Problemen, das hier aufgetürmt wird und wenn das Ganze nicht in einer so ruhig schlichten und unaufgeregt souveränen bildhaften Sprache erzählt würde, wäre es nicht zum Aushalten. So ist es ein langsames Buch, eines, für das man sich Ruhe nehmen sollte, mit einem offenen Schluss. Wenn man nicht auf der hektischen Suche nach dem schnellen Lesevergnügen ist, wenn man Geduld hat, wird man diesen Roman mit Gewinn lesen.