hat der engagierte Journalist und deftige Polemiker Thomas Wieczorek erneut mit seinem
durchaus flott zu lesenden, kämpferischen Pamphlet: "Die geplünderte Republik: Wie uns Banken, Spekulanten und Politiker in den Ruin treiben" - wie es der Titel schon sagt - thematisch deutlich eingegrenzter, als der lesenswerte Vorgänger "Die verblödete Republik".
Es geht natürlich um das Thema Finanzkrise, ihre Folgen hierzulande und der Umgang mit ihnen, Veruntreuung öffentlicher Gelder, unheilige Allianzen von Bankern und willfährigen Politiker, wie man uns mit übelsten Methoden in immer größerem Ausmaß hemmungs- und gewissenlos die Taschen ausräumt, während Kommune um Kommune Besuch vom Pleitegeier bekommt, und wichtigste kommunale Aufgaben kaum noch bewältigen kann, er nimmt sich das Fehlverhalten von Privatbanken genauso vor wie die miesen Praktiken der Landes-
banken und ihrer durchgeknallten Führungsriegen, jene Möchtegern-Global-Player, die alle am "GROSSEN RAD"
im Kasino mitspielen wollten, und Milliarden versenkten, um durch Abermilliarden Steuergelder wieder saniert zu werden. Wir retten sie alle, denn die System-Relevanz der Banken ist ja quasi "genetisch" bedingt, im Gegensatz etwa zu "römisch-dekadenten" Arbeitslosen und Teil- und Vollzeit
malochenden Minilöhnern und ALG2- (Hartz4)-Aufstockern. Denen kann man gerne auch noch den letzten Rest Stütze zusammenstreichen ...Karlsruhe-Urteil...BVG...Kinderarmut...äh...war da was? Am FDP-Unwesen soll das Land genesen!
Die Kapitel heißen u. a.:
"Betrug, Insiderhandel, Untreue",
"Kontrolle-Ein Hund bewacht das Wurstpaket"
"Hypo Real Estate-Ein Fass ohne Boden"
"Die Nebelkerze "systemrelevant""
"Deutsche Bank - der stille Absahner"
"Bayern-LB - zielstrebig ins Desaster"
"LBBW-Zockerbank im Musterländle"
"IKB - Protokoll einer Katastrophe"
"Schaeffler scheffelt - Abwrackprämie für Golfschläger"
"Lobbyisten - die Hilfstruppen der Plünderung"
"Der geplünderte Sozialstaat"usw.
Z. B. Im Kapitel "Propagandisten der Ausplünderung - die INSM" (Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft) schreibt der Autor über die Praxis der Arbeitgeber-Propagandatruppe INSM, ihre Leute in den Medien zu plazieren:
(Zitat) "...berichtete das ARD-Magazin Plusminus schon am 13. Oktober 2005, daß die Talkshow-Dauergäste der INSM zuweilen schon zu dritt in einer Sendung hockten...Daß die INSM am liebsten inkognito arbeitet, bestätigt auch eine Studie der westfälischen Wilhelms-Universität in Münster: Bei mehr als 50 % der untersuchten Beiträge tauchten INSM-Botschafter auf, aber nicht einmal in jedem sechsten Beitrag wurde die Botschafterrolle für die INSM transparent gemacht."
Natürlich lässt der Autor auch in diesem Buch
wieder seiner Wut auf die hierzulande herrschenden Verhältnisse auf über 270 Seiten freien Lauf, er holzt und hackt,
drischt, schimpft und wütet drauflos, und schreibt auch immer wieder amüsant bis witzig, beschreibt mal sachlich, mal kräftig überzeichnend herrschende Zustände. Inhaltlich ist das alles für
wache Bürger (z. B. Nachdenkseitenleser) nicht alles und immer neu, aber die polemische Schreibe
Wieczoreks wirkt doch immer mal wieder erfrischend.
Er veräppelt seine Leser nicht, sondern klärt auf, und wer mag, kann anhand der immerhin 264 Anmerkungen Wieczoreks Ausführungen gegenprüfen.
Natürlich werden sich wieder
eine Menge Leute einerseits an seinem heftigen Sprachstil stoßen, doch möchte ich hier festhalten,
daß ich es ganz in Ordnung finde, wenn auch mal mit dem Vorschlaghammer Tacheles geredet wird.
Andere werden wieder über die "Einseitigkeit" des Autors meckern, und daß er keine "Lösungen" anböte - denen seien aber 3 Punkte entgegengehalten: 1. gibt es kein Gesetz, daß der Kritiker immer auch die "Lösungen" und die "andere Seite" mitzuliefern habe, anderenfalls er zu schweigen hätte, und 2.: Sind unsere neoliberalen Oberideologen wie Straubhaar, Hüther oder "Prof. Unrat" Sinn etwa objektiv, wenn sie von lediglich "gefühlter Ungerechtigkeit" faseln, oder menschenverachtende Forderungen aufstellen, wie daß jeder jede Arbeit zu jedem Lohn zu machen habe, und sei dieser noch so niedrig, denn über die Lohnhöhe entscheide ALLEINE der MARKT (den fälligen Aufstocker-Betrag zahlen ja doch wieder wir Steuerzahler, im Grunde bezahlen wir über die Steuern Teile unseres eigenen Lohns an uns selbst - wer lebt hier eigentlich auf WESSEN Kosten)? Diese vorgenannten Herrschaften und andere neoliberale Propaganda-Schwätzer wie Oswald Metzger, Rürup, Miegel, und auch der Versicherungsvertreter mit Professorenstuhl Raffelhüschen bekommen zu Recht im Buch ihr Fett weg.
Und 3. hat Wieczorek seinem Vorwort diesen Leuten einen Satz des legendären Mathematikers, Schriftstellers und Aphoristikers Georg Christoph Lichtenberg als Denkanstoß vorangestellt:
"Ich kann freilich nicht sagen, ob es besser werden wird, wenn es anders wird; aber soviel kann ich sagen: Es muß anders werden, wenn es gut werden soll."
Die Marktradikalen-Fraktion allerdings wird dieses Buch hassen, wie alles, was geeignet ist, uns Bürger über die wahren Machtverhältnisse, Hintergründe und Machenschaften im Lande aufzuklären.
Privatisierungswahnsinn zu unser aller Schaden, Korruption, die real stattfindende gigantische Umverteilung von unten nach oben, Hypo Real Estate, sind u. a. weitere Themen. Man kann als Leser gewaltige Aggressionen bekommen, zumal der Buchautor sich die geschilderten Vorgänge eben nicht aus den Fingern saugt, sondern sich aus der Realität unserer (Noch-)Republik bedient - insgesamt ein diesmal nicht ganz so umfangreicher, nichtsdestotrotz lesenswerter Rundumschlag, der, wie bislang immer bei Wieczorek, von Denkanstößen nur so wimmelt, und der sein Geld (8,95 ¤) absolut wert ist.