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Die gefühlte Moral: Warum wir Gut und Böse unterscheiden können
 
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Die gefühlte Moral: Warum wir Gut und Böse unterscheiden können [Gebundene Ausgabe]

Frank Ochmann
4.9 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
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  Alle Preisangaben inkl. MwSt.
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
  • Verlag: Ullstein Hardcover; Auflage: 1 auflage (1. März 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3550086989
  • ISBN-13: 978-3550086984
  • Größe und/oder Gewicht: 22 x 14,4 x 3 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.9 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 450.411 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Frank Ochmann
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"Ochmann veranschaulicht - sehr klar formuliert - auch die Gefahren, in die eine Gesellschaft gerät, wenn die moralisch bindenden Kräfte schwinden." (Südwest Presse, 2008)

"Sein Werk ist klar formuliert, das Thema herausfordernd." (Leipziger Volkszeitung, 2008)

"Nicht der Verstand, sondern Emotionen sind die wichtigste Lernhilfe beim Verinnerlichen von Normen: 'Es tut so gut, gut zu sein' - wie Forscher dieses Prinzip in Experimenten und Studien variieren, hat Unterhaltungs- und Erkenntniswert ..." (Der Spiegel)

"... Den Fokus nicht auf das Gen, sondern die Seele gerichtet, nähert sich ein weiteres Buch der Frage, welche natürlichen Grundlagen unser moralisches Verhalten möglicherweise hat ... auch für Einsteiger gut zu lesen und anregend ..." (Die Zeit)

" ... Frank Ochmann hat sich tief in die Forschungslage gedreht und gibt einen hervorragenden Überblick über den Erkenntnisstand, vor allem aus Sicht der Neuroethik. Wer dieses Buch liest, lernt viel über Moral." (Online-Magazin ChangeX vom 8.4.2008)

Deutschlandradio Kultur - "Lesart" vom 22.6.2008

»Um Gut's zu tun, braucht's keiner Überlegung' - ein Goethe-Wort, das wissenschaftlich durchaus haltbar zu sein scheint. Die moderne Hirnforschung beteiligt sich an der Suche nach Antworten auf wichtige philosophische und religiöse Fragen: Was ist die Grundlage unserer Werte? Ist moralisches Handeln ein Produkt des Verstandes oder der Evolution? Oder von beidem? Hirnforscher sagen: Die Kultur steht in ständiger Wechselwirkung mit unserer biologischen Natur, und so unterscheiden wir gefühlsmäßig Gut und Böse. Eine brisante These - und doch durch Ergebnisse neuer Studien nachvollziehbar. Der Theologe und Journalist Frank Ochmann hat sie zusammengetragen und erfrischend unpolemisch interpretiert. Herausgekommen ist ein höchst interessanter, gut verständlicher Blick auf den Stand der Forschung. Hier lernt man was.«

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9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Ein Meisterwerk. 1. Juli 2008
Format:Gebundene Ausgabe
Der Mensch kommt nicht mit dem Wissen auf die Welt, was gut und böse ist, wohl aber mit der Bereitschaft, es zu lernen. Zu seiner kognitiven Grundausstattung gehört die Fähigkeit zur Einfühlung in andere Menschen, zur spontanen Hilfsbereitschaft, zur Unterscheidung zwischen Wir" und Sie", zum teleologischen Denken (die unwillkürliche Verbindung zwischen der Wahrnehmung eines Sachverhalts und einer ihn verursachenden Absicht) und zur Erlernung von Regeln des Sozialverhaltens.

Wie die neuere Hirnforschung nachweisen konnte, empfinden Menschen es normalerweise als befriedigend, sich selbst als gut" - das heißt als in Übereinstimmung mir dem gesellschaftlichen Regelsystem - zu erleben, oder sich dies zumindest vorzugaukeln. (Ihre Fähigkeit, Gefühlen eine rationale Begründung unterzuschieben, von Freud schon lange postuliert, lässt sich mittlerweile experimentell nachweisen.) Als befriedigend wird erlebt, was das gehirneigene Belohnungssystem aktiviert, das insbesondere auf soziale Anerkennung besonders stark reagiert.

Weichen Andere vom etablierten Regelsystem ab, so reagiert das Gehirn speziell von Männern mit dem Wunsch nach Bestrafung der Regelverletzer; die Beobachtung dieser Bestrafung wird als befriedigend erfahren. Bleibt sie regelmäßig aus, so wird dadurch die Geltung des Normensystems insgesamt in Frage gestellt - der Gesellschaft droht die Auflösung.

Da das moralische Regelsystem gesellschaftlich geformt wird, existiert kein a priori gegebenes Gottesgesetz. Damit ist die Gefahr verbunden, dass auch ganz und gar unmenschliche Moral", etwa die des Nationalsozialismus, als ebenso verbindlich anerkannt wird wie in anderen Gesellschaften die zehn Gebote.

An dieser Stelle kann die Vielfalt der Themen, Gesichtspunkte und Forschungsergebnisse, die Ochmann seinen Lesern unterbreitet, bloß angerissen werden. Ochmann ist Journalist und ein begnadeter Schreiber. Er beherrscht die hohe Kunst, komplexe wissenschaftliche Thesen allgemeinverständlich darzustellen, ohne sie zu verflachen. Allein die Vielzahl der Experimente, von denen er berichtet, macht die Lektüre ungemein spannend.

Dabei gibt er dem Leser eine Reihe von Hilfen an die Hand, damit der nicht den Faden verliert: Insbesondere die klare Gliederung und die thesenartige Zusammenfassung am Ende jedes Kapitels erleichtern den Überblick.

Ochmanns Buch behandelt nicht mehr und nicht weniger als die Frage, wie Gesellschaft überhaupt funktioniert. Da seine Thesen umfassend empirisch fundiert sind und er ideologische Vorurteile souverän ignoriert, gelingt ihm das bei solchen Themen seltene Kunststück, für Anhänger praktisch jeder erdenklichen religiösen oder weltanschaulichen Richtung gleichermaßen interessant zu schreiben. Ein bisschen tritt er allen auf die Füße, aber niemandem so sehr, dass er deswegen das Gesamtwerk ablehnen müsste. Ob Christ oder Atheist, ob Linker oder Konservativer - jeder wird eine Fülle von Punkten finden, die ihn - auf seine je eigene Weise - zum Weiterdenken anregen.

Ein Meisterwerk.
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12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Michael Dienstbier TOP 500 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Was ist gut? Was ist böse? Gibt es so etwas wie einen in sich guten oder bösen Menschen? Wer entscheidet, was gut, was moralisches Verhalten ist? Dies sind die Fragen, die Frank Ochmann, Wissenschaftsjournalist beim Stern, in seinem Buch "Die gefühlte Moral" untersucht.

Ochmann nähert sich dem Phänomen Moral von zwei Seiten. Zum einen untersucht er theologisch-geisteswissenschaftliche Ansätze, zum anderen betont er die enorme Bedeutung neurobiologischer Prozesse, wenn es darum geht, moralisch zu handeln. Als studierter Physiker und Theologe kennt sich Ochmann in beiden Bereichen bestens aus. Die erste Erkenntnis am Ende des ersten Kapitels lautet, dass Moral weder durch unsere Gene noch durch unsere Erziehung komplett determiniert wird: "Die 'menschliche Natur' entwickelt sich aus einem komplexen, unauflösbaren Wechselspiel zwischen Erbanlagen und von außen wirkenden Einflüssen. Keine unserer Eigenschaften, ob körperlich oder geistig, wird daher allein genetisch oder nur durch Erziehung oder Erfahrung bestimmt" (46f.). Im Anschluss widerlegt Ochmann den Mythos einer absoluten Moral mit metaphysisch begründeten Maßstäben von gut und böse: "Nichts ist 'in sich' gut. Erst durch soziale Vereinbarung wird das 'Gute' vom 'Bösen' und das moralisch 'Richtige' vom 'Falschen' getrennt" (73). Sprich, moralische Normen sind niemals absolut, sondern immer das Ergebnis eines gesellschaftlichen Diskurses. Jede Gesellschaft handelt mit sich und ihren Mitgliedern moralische Normen aus, anhand derer entschieden wird, was 'gut' und was 'böse' ist.

Im Zentrum der Darstellung steht die Frage, welche Mechanismen dafür verantwortlich sind, warum der Mensch die Entscheidungen trifft, die er letztendlich trifft. Und hier sind neurobiologische Prozesse ganz entscheidend. Wichtige Voraussetzung ist das in unserem Gehirn ansässige Belohnungssystem, welches von der Amygdale-Region gesteuert wird (vgl. S. 145). Das für die menschliche Rasse nicht gerade schmeichelhafte Ergebnis lautet, dass es einen Zusammenhang zwischen angenehmen Gefühl und eigenem Vorteil gibt: "Je größer der eigene Vorteil, desto angenehmer die Gefühle, war dabei das ernüchternde Resultat" (127). Wir sind daher "nicht selbstlos genug, um als 'von Natur aus gut' gelten zu können" (129). Dabei ist es für den Menschen als einem sozialen Wesen immer ein angenehmes Gefühl, von einer Gemeinschaft akzeptiert zu werden. Die Geschichte der Menschheit im vergangenen Jahrhundert zeigt, dass Menschen bereit sind, anderen Menschen jede noch so große Grausamkeit anzutun, nur um die Normen einer bestimmte Gruppe zu erfüllen. Die SS erhob Treue und Gehorsam zum kategorischen Imperativ ihrer Organisation, was in ihrem Leitspruch "Deine Ehre heißt Treue" passend zum Ausdruck kam. Allein der absolute Gehorsam der Organisation gegenüber aktivierte das Belohnungssystem der SS-Mitglieder. Der menschenverachtende Inhalt der Befehle war sekundär: "So sehr wir uns auch wünschen mögen, dass das moralische Verhalten eines Einzelnen von Überlegungen zu persönlicher Bestrafung oder Belohnung unabhängig ist, beweisen Theorie und Praxis doch das Gegenteil" (179).

Ochmann legt dar, dass das dem Menschen eigene emotionale Belohnungssystem, welches vor allem auf Zugehörigkeit zu einer Gruppe ausgerichtet ist, maßgeblich dafür verantwortlich ist, dass es ausgerechnet wir Menschen an die Spitze der Evolution geschafft haben: "Denn keine andere Art auf unserem Planeten hat es geschafft, in so ausgedehnten sozialen Verbänden und mit so vielen unterschiedlich gefärbten sozialen Beziehungen zu leben wieder Mensch. Der entscheidende Grund für diesen Erfolg, so zeigt sich als gemeinsames Ergebnis der Forschung aus ganz unterschiedlichen Disziplinen von der Biologie über die Neurowissenschaften bis zur Soziologie: die Entdeckung der Moral" (225f.).

Fazit: Wie 'gutes' oder 'böses' Verhalten entsteht, beziehungsweise was wir als 'gut' oder 'böse' betrachten, gehört mit zu den spannendsten und wichtigsten Fragen überhaupt. Ochmannn nähert sich dem Thema angenehm sachlich und auf Höhe des neuesten Forschungsstandes. Dies ist wichtig und wohltuend und unterscheidet sich auf angenehme Art von den ideologisch verzerrten Betrachtungen des Menschen vor allem, wenn auch nicht ausschließlich, von religiösen Weltanschauungen.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Wir befinden uns in einer Zeit, die sich langsam der Irrtümer der "68er" bewußt wird. Die Mißstände, die sich seit damals nach und nach aufgebaut haben, haben ein Ausmaß erreicht, das immer mehr Menschen als unerträglich empfinden: Rücksichtslosigkeit, Gewalt, Drogen, Lug und Trug. Der Begriff "Moral" ist von seiner ursprünglichen positiven Bedeutung geradezu zu einem Schimpfwort verkommen, allenfalls noch gebraucht in Wortschöpfungen wie "Moralapostel" oder "moralinsauer". Da ist es ein willkommener Ansatz, die Moral einmal unter neuro- und evolutionsbiologischen Gesichtspunkten zu betrachten, sie quasi auf eine objektive Grundlage zu stellen.
Zur umstrittenen Frage eines freien Willens äußert sich der Autor pragmatisch: "Trotzdem werden wir hier, schon aus Gewohnheit, weiter von 'Entscheidungen' und 'Urteilen' sprechen, dabei aber nicht voraussetzen, dass es ein freier Wille ist, der die hervorbringt" (S. 197).
Neuro- und evolutionsbiologisch läßt sich auch die Notwendigkeit von Strafe begründen; ihr kommt "eine Schlüsselrolle bei der Ausbildung des Sozialverhaltens zu" (S. 238). Das Wissen, daß Übeltäter angemessen bestraft werden, wird vom Gehirn als "Belohnung" empfunden und stärkt den Zusammenhalt der Gemeinschaft. "Wenn Regelverstöße nicht geahndet werden, nimmt das Vertrauen - die gefühlte - Sicherheit, können wir hier sagen - ab. Und in dem Maße, wie das soziale Kapital sinkt, steigt die Missachtung der geltenden Regeln" (S. 239). Bekanntlich wird immer wieder beklagt, daß die "gefühlte Sicherheit" (noch) schlechter sei als es die Kriminalstatistik nahelegen würde. Das dürfte also daran liegen, daß wir immer wieder erleben müssen, wie Straftäter ungeschoren oder mit einer zu milden Strafe davonkommen. Wieder einmal bestätigt die Wissenschaft, was der gesunde Menschenverstand längst wußte, so mancher Politiker- und Sozialpädagogenverstand aber nicht. Abschließend schreibt der Autor (S. 250): "Was wir als 'gut' erkannt haben, muss gepflegt und so zur Gewohnheit der 'Tugend' werden [...], sonst verkommt es, ja kann gefährlich umschlagen. [...] Nur eine starke Moral kann uns zusammenhalten."
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