Nur drei Sterne für Thommie Bayer? Das muss ich erklären!
Wer Thommies Bücher im Großen und Ganzen kennt, weiß zwei Thommies zu unterscheiden: Thommie 1 vor "Das Aquarium" und Thommie 2 danach. Thommie 1 ist noch fast wie du und ich, aber stets ein wenig besser: er hat mir persönlich vorbehaltlos gefallen, sowohl einfallsreiche Fiction als auch sprachliche Eigenkreationen und Besonderheiten, gepaart mit Themen um Menschliches (und Erotisches natürlich), die wirklich und gewaltig unter die Haut gehen. Thommie 2 ist Roman-Profi: er baut auf, versteckt, verschlingt Handlungsstränge und löst auf, professionell wie ein langjähriger Krimi-Autor, Reich-Ranitzky hätte seine Freude daran. Aber: mir fehlt die Authentizität der frühen Bücher, aus denen Autobiographisches mitsprach, und der einigermaßen versöhnliche Ausgang. Der kalten Duschen gab es hier zu viele für meinen Geschmack, zu viel Verletzung, als dass man sich beim Lesen wohlfühlen kann. Wer diesbezüglich etwas empfindlicher ist, sollte es mit dem Aquarium, das noch als Grenze gelten kann, bewenden lassen. Für die Leser isolierter Romane, die nur "das Buuuch" (R.-R.) sehen, ist es sicherlich höchst lesenswert: die Geschichte stimmt, die Komposition stimmt, das Ende ist ungewöhnlich - der Stoff, aus dem gute Romane sind.