Vera, die gefährliche Frau, hat auch ihre Schwächen. Sie ist nicht ohne Grund eine von Ehefrauen bezahlte Prostituierte geworden. Ihr Auftrag, den Schriftsteller Axel Behrendt flach zu legen, entpuppt sich für sie und ihr Opfer als unheilvolle Affäre. Soweit zum äußeren Plot, der in der Ichform, vollständig aus der Sicht Veras dargestellt wird. Bis zum Ende, wo der Schlüssel zu diesen verschachtelten Ebenen geliefert wird.
Es geht hier um zwei Profis, es geht vor allem aber, wie schon in dem Roman Aquarium, um Lüge und Wahrheit, um Wirklichkeit und Fantasie, um das Spiel mit Macht. Vertrauen, Mitleid, Gefühle, Rache und Liebe sind hier das Thema. Was sich aus der Begegnung zweier Personen, beide mit einem Trauma behaftet, entwickeln kann, zeigt dieser teilweise sehr konstruierte Roman. Die gefährliche Frau wird bei dem Mann, der auf ihrer Abschussliste steht, schwach, d.h. sie erzählt ihm ihre unglückliche Geschichte, und er, der auf etwas so Altmodisches wie die eheliche Treue schwört, gesteht ihr sein Leid über den Seitensprung mit der Schwester seiner Frau. Beide kommen sich, obwohl sie es nicht wollen, näher, vollziehen den bezahlten und gleichzeitig echten Beischlaf. Das Video davon gelangt aber in die falschen Hände
Anna Thalbach, Tochter der Schauspielikone Katharina Thalbach, liest die Geschichte lakonisch, distanziert, ohne Emphase. Die erfolgreiche Schauspielerin wurde zuletzt in dem Film Der Untergang gesehen. Neben der Schauspielerei zählt sie mit ihrer mädchenhaften, trotzig klingenden Stimme zu den gefragten Hörbuchsprecherinnen. Den alles auflösenden und erklärenden Schlusspassus übernimmt Ulrich Tukur. Der mehrfach ausgezeichnete deutsche Schauspieler interpretiert beeindruckend und nachfühlbar den Kunstgriff und die Rolle des Axel Behrendt.
Thommie Bayer ist vielseitig talentiert: Er hat sich neben der Schriftstellerei auch als Maler, Kabarettist und Liedermacher betätigt. Seit 1985 schreibt er: Der Himmel fängt am Boden an, Das Herz ist eine miese Gegend und Das Aquarium.
Fazit: Anna Thalbach als Erzählerin, aktiv handelnde und gleichzeitig Opfer und Ulrich Tukur, wenn auch nur am Ende des Hörbuchs, lassen die emotionalen Abgründe dieses Marionettenspiels eindrucksvoll lebendig werden.
Ungekürzte Lesung, Spieldauer: ca. 284 Minuten, 4 CDs. Mit Booklet. -- culture.text