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Der Film erzählt die Geschichte von Matt Devereaux, eines stolzen und despotischen Viehbarons, der sich mit unbeugsamer Gewalt gegen die beginnende Industriealisierung des Landes wehrt. Während seine zweite Frau, eine Indianerin, und sein jüngster Sohn Joe zu ihm stehen, wenden sich seine drei anderen Söhne aus erster Ehe gegen ihn und ihren jüngeren Bruder, das "Halbblut".
Eindrucksvoll ist die Besetzung des Films. Spencer Tracy liefert als Matt Devereaux einmal mehr eine Glanzleistung ab und dominiert den Film. Eindrucksvoll brilliert er vor allem in der fast 15-minütigen Gerichtsszene, in der er sich durch Arroganz und Selbstgefälligkeit und in totaler Verkennung der veränderten Umstände durch einen geschickten Anwalt unbewußt dazu bringen läßt, sich selbst um Kopf und Kragen zu reden. Eine Szene, die durchaus Vorbild für Jack Nicholsons berühmten Ausbruch in EINE FRAGE DER EHRE gewesen sein könnte. Die Rolle eines despotischen Viehbarons der Pioniertage spielte Tracy übrigens schon einmal, 1946 in ENDLOS IST DIE PRÄRIE.
Die Mexikanerin Katy Jurado spielt seine zweite Frau, eine Indianerin. Dafür gab es eine Oscar-Nominierung. Zuvor war Jurado vor allem durch ihre Rolle als Grace Kellys Rivalin um die Gunst Gary Coopers in ZWÖLF UHR MITTAGS bekannt geworden.
Robert Wagner ist Devereauxs jüngster Sohn Joe, ein Halbblut. Wagner war einer der letzten Schauspieler, die von 20th Century Fox noch nach dem alten Studiosystem gezielt zum Star aufgebaut wurden. 1954 gelang ihm mit DIE GEBROCHENE LANZE und PRINZ EISENHERZ der Durchbruch zum Hauptdarsteller. In den Achtziger Jahren sollte er im TV mit der Serie HART ABER HERZLICH erfolgreich sein.
Devereauxs drei Söhne aus erster Ehe werden von Richard Widmark, Hugh O`Brian und Earl Holliman verkörpert. Widmark, der wie kaum ein anderer Hollywoodstar im Laufe seiner Karriere immer wieder zwischen Helden- und Schurkenrollen wechselte, glänzt als ältester Sohn Ben. Das Drehbuch bescherte ihm markante Sätze wie: „Leute, die 10.000 $ in den Spuknapf werfen, machen mich nervös."
Hugh O'Brian und Earl Holliman spielen dagegen fast nur Statistenrollen mit wenig Dialog. Für Holliman sollte die Rolle eines etwas tumben Kerls prägend werden. Ähnliche Rollen gab es für ihn unter anderem in DER LETZTE ZUG VON GUN-HILL, ZWEI RECHNEN AB und DIE VIER SÖHNE DER KATIE ELDER.
Für die romantischen Augenblicke sorgt Jean Peters als Barbara, die große Liebe von Joe Devereaux. Im Gegensatz zu ihrem Vater, dem vom bewährten Charakterdarsteller E.G. Marshall dargestellten Gouverneur, ist sie frei von rassistischen Vorurteilen. Peters heiratete nur ein Jahr später übrigens den legendären Howard Hughes (The Aviator) und beendete ihre Schauspielkarriere für lange Zeit.
Regisseur Edward Dmytryk hat es geschafft, die verschiedenen Themenbereiche geschickt miteinander zu verbinden und bringt in DIE GEBROCHENE LANZE wieder seine größte Stärke zur Geltung: die genaue Beobachtung der Charaktere und die sorgfältige Herleitung ihrer Handlungsmotivation. Selten ist bei Dmytryk ein Charakter einseitig gut oder böse. Der „Held" Matt Devereaux hat eigentlich genausoviele negative Charaktermerkmale wie seine „bösen" Söhne, deren Handlungen man zu weiten Teilen nachvollziehen kann. Gerade die interessanten Charaktere tragen viel zur Spannung des Films bei und nach 92 kurzweiligen Minuten hat man gar nicht recht gemerkt, dass für einen Western eigentlich nur wenig geschossen wurde. Denn der Film wirkt durchgehend hart und kompromisslos, ohne dass es dafür übermäßiger grafischer Gewalt bedurfte.
DIE GEBROCHENE LANZE besticht auch durch seine prächtige Cinemascope-Fotografie, die immer wieder in herrlichen Bildern weiträumige Landschaftspanoramen präsentiert. Der Film wurde größtenteils im Süden Arizonas gedreht und beschert dem Zuschauer damit eine einmalig schöne Westernlandschaft.
Die Bildqualität hätte ich mir ein wenig besser gewünscht , sie geht aber für einen mehr als 50 Jahre alten Film absolut in Ordnung. Glücklicherweise liegt der Film im anarmorphen Widescreenformat vor, so daß die Landschaftaufnahmen voll zur Geltung kommen. Der Ton ist einwandfrei, es kann zwischen Deutsch und Englisch gewählt werden.
Ein zusätzliches Schmankerl bietet ein Vergleich der beiden auf der DVD enthaltenen Trailer.
Stellt der amerikanische Trailer zur Erstaufführung des Films noch voll auf die damals gerade neue Cinemascope-Fotografie und die Darstellerriege ab, so kann man beim Betrachten des deutschen Trailers zur Wiederaufführung des Film Ende der 60er Jahre ein Schmunzeln nicht unterdrücken. Der harte Italowestern hatte gerade Hochkonjunktur und so wurden aus dem US-Trailer kurzerhand sämtliche Szenen mit weiblichen Personen und mit romantischem Einschlag herausgeschnitten. Stattdessen wurden zahlreiche zusätzliche Schussgeräusche und Italowestern-typische einfarbig gefärbte Passagen eingefügt. Zusätzlich wurde der Film in ARIZONA umgetitelt. Man sehe und staune.
Als weiteres Bonusmaterial gibt es eine umfangreiche Fotogalerie und ein nettes Booklet.
Der Titel des Films beruht übrigens auf einer angeblich indianischen Sitte, wonach eine in den Boden gespießte Lanze die traditionelle Kampfansage ist. Nach Beilegung des Konfliktes wird die Lanze dann zerbrochen. Westernkenner wissen, daß 1950 noch ein gebrochener Pfeil den gleichen Zweck erfüllte. Egal, DIE GEBROCHENE LANZE ist einer der besten Western der 50er Jahre und ein klarer Kauftip.
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