Mad Men hat zwar mit Verrückten zu tun, ist aber auch ein New Yorker Ausdruck für Werber, weil in der Madison Avenue viele Werbeagenturen ihren Sitz haben. Und Mad Men ist zudem eine amerikanische Fernsehserie, die von einem bekannten Sender zuerst abgelehnt wurde, dann aber bei einem wagemutigeren TV-Kanal für Traumquoten sorgte.
Nun wäre diese von Dyna Moe illustrierte Hommage an die Erfolgserie noch kein Ereignis, wenn die Geschichte in der Gegenwart spielen würde. Tut sie aber nicht. Vielmehr lässt sie die 1960er-Jahre wiederauferstehen und punktet daher gewaltig bei den Nostalgikern. Noch darf geraucht und getrunken werden. Die Sekretärinnen tragen ihr Haar toupiert und finden Büstenhalter cool, die ihre sekundären Geschlechtsmerkmale nicht unbedingt grösser, aber dafür zugespitzter erscheinen lassen. Getippt wird noch auf Schreibmaschinen und kopiert mit Kohlepapier. Zum geschmackvollen Büro gehören braune Teppichböden, kombiniert mit hellgrünen und gelben Polsterbezügen. Wobei auch andere grässliche Varianten hoch im Kurs stehen.
In der Kreativabteilung sieht man, falls sich die Rauchschwaden nach Büroschluss verziehen, Proportional-Rechenschieber, Lösungsmittel, Typometer und Wachsgeräte. Und weil die Werber Trendsetter sind, tanzen sie Twist, sammeln Rothko-Bilder sowie erste Erfahrungen mit Psychoanalytikern, fahren große Schlitten mit großen Sitzbänken, schäkern mit scharfen Stewardessen, fahren mit der Ehefrau nach Rom, mit der Geliebten hingegen nach San Pedro, meistern die atomare Bedrohung während der Kubakrise mit einem lustigen Brettspiel, tauschen untereinander Rezepte für Junggesellenpartys und Heilmittel gegen Kater aus und genießen ganz einfach die goldenen Jahre der Werbebranche.
Wer unter diesen Tätigkeiten zu viele politische Unkorrektheiten ausmacht und ohnehin etwas gegen amerikanische Serien hat, kann sich den Programmverantwortlichen des ZDF anschließen. Denn diese meinten, eine Qualitätsserie sei nichts fürs Massenpublikum und verbannten Mad Men in den Spartenkanal ZDFneo. Aber wahrscheinlich störten sich die gestrengen Zensoren eher am vermittelten Frauenbild und an der unverschämt zur Schau gestellten Lust am Genießen.
Mein Fazit: Keine Serienfolge in Bildern, sondern eine illustrierte Hommage an eine erfolgreiche, unterhaltsame und sich am Lebensstil der 1960er-Jahre orientierende Fernsehserie. Zu den Qualitäten des Drehbuchs gehört auch die enge Anlehnung an das Lebensgefühl der damaligen Zeit. Und was wir uns darunter vorstellen müssen, zeigen uns Dyna Moe mit ihren Illustrationen, Matthew Weiner mit seiner Sprache und die Werbeleute der Madison Avenue mit ihren Marotten und kreativen Ausflügen.