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Mit subtiler (Selbst-)Ironie schildert Kumar auch seine Erlebnisse als reisender, vortragender und bücherverkaufender Autor in Goethe-Land.
Dabei richtet er sein Okular oft auf das Absurde, das sich gern an unserer Wahrnehmung vorbeimogeln will. Schließlich kommt er ja aus "einem Land, in dem es Frauenverbrennungsanlagen gibt und wohin viele vielmals fliegen, um die kompliziertesten Techniken des Kamasutra zu studieren."
Seit 1991 lebt und arbeitet Anant Kumar als Autor und Germanist in Deutschland. In seinen bisher fünf vorliegenden Buchveröffentlichungen zeigt er sich als stilsicherer und ausdrucksstarker Worte-Finder in seiner Wahl-Heimatsprache Deutsch, so daß er mit Genuss- und Überraschungsmomenten den Leser zu fesseln vermag.
Kumar hat allen in Deutschland aufgewachsenen einen Vorteil voraus: Er kann uns mit dem distanzierten Blick eines Fremden analysieren, denn geboren wurde der Autor in Motihari/Indien und erst seit 1991 lebt er in Deutschland. Das Leben eines Immigranten in der Bundesrepublik ist eines der beiden beherrschenden Themen dieses Buches. Viel Schmeichelhaftes erfahren wir bei der Lektüre nicht über uns. Unverändert lauern böse Blicke überall, besonders auf Menschen, die durch ihre Hautfarbe als ‚anders' auffallen. Wie leicht vergisst man im Alltag, dass Fremdenfeindlichkeit noch immer ein Thema ist, das die Leben vieler Menschen belastet. Sensibel führt Kumar den Leser durch eine Welt, in der jeder Blick erst einmal geprüft werden muss - zur eigenen Sicherheit.
Jedoch scheint es, als könnte Kumar den Vorteil des fremden Beobachters noch effektiver nutzen. Wo sind die mit einem scharfen Blick erkannten Anormalitäten, Ticks und Wunderlichkeiten unserer Seele? An dieser Stelle scheint noch etwas Potential versteckt zu sein, dass der Autor für zukünftige Publikationen nutzen kann.
Das zweite große Thema ist das Streben eines jungen Künstlers, sein Bemühen Leser zu gewinnen und von seinem Schaffen leben zu können. Wir erfahren vom Kampf um den Verkauf jedes einzelnen Exemplars und von den Wegen, die man gehen muss, um als junger Autor von seiner Kunst leben zu können. Das Kapitel „Die ersten 130 Bücher" dürfte für machen jungen Schriftsteller sowohl zum Mutmachen als auch für praktische Tipps interessant sein.
Wenn diese Kuhherde frühmorgens über eine Weide galoppiert, dann muss sie manchmal einen kurzen Nebel durchqueren, doch wer sie weiter beobachtet, wird mit dem Aufblitzen kleiner kostbarer Momente belohnt.
Kumar, Anant: Die galoppierende Kuhherde. Essays und andere Prosa. Wiesenburg Verlag 2001. 96 Seiten. 11,25 Euro
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