28.Februar 2000. In Berlin schneit es ununterbrochen, es ist dunkel und wolkenverhangen, und Elisabeth Schlosser wohnt allein in dem grünen Haus am Hackeschen Markt, das für den Abriss bereitsteht. Ihre Identität ist brüchig, sie zweifelt, ob sie wirklich die Person ist, die sie zu sein scheint. Sie ist verzweifelt, alleingelassen. Ihr Sohn isst und redet nicht. Der Sohn scheint gar nicht existent zu sein - verwaschen, wie die Erinnerungen ihrer Herkunft. Elisabeth fragt sich, ist sie keine gute Mutter, oder ist sie die Falsche? Nach einer Hypnosesitzung fährt sie ins polnische Katowice. 1943 dort geboren, ist sie nun auf der Suche nach ihrer Vergangenheit hierher zurückgekehrt.
Irina Liebmann jongliert mit Bildern, Eindrücken und mit Schemenhaften. Der Winter in Berlin als Metapher für Eilisabeth Schlossers eingefrorene Identität. In Katowice kommt sie ihrer Herkunft näher, gräbt dort in der Vergangenheit ihres Vaters, erfährt aber nur bruckstückhafte Fragmente, die der Leser und sie selbst zusammenfügen können, allerdings mit klaffenden Lücken. Die Gespenster ihrer Vergangenheit kann sie nicht in den Griff bekommen und als sie ziemlich durcheinander nach Berlin heimkehrt, wird ihr geraten, diese Schemen einfach loszulassen.
Irina Liebmann erzählt in einer schönen bedächtigen Sprache. Manche Verwirrung wird dem Leser allerdings aufgeladen, weil wir nicht alles erfahren können. Dem Roman haftet etwas geisterhaftes, schwer fassbares an. Die Verwirrung mag beabsichtigt sein. "Elisabeth Schlosser war immer gerne nach Polen gefahren, aber da war sie aus dem Osten gekommen, aus Ostdeutschland, als die Grenze zu Polen offen gewesen war und die Grenze nach Westen geschlossen, jetzt war es umgekehrt, und auf einmal hatte sie Angst."