Wenn man Gauß liest, kann man nicht mehr aufhören.
Nicht etwa, dass er ein Meister des Suspense wäre. Nein, er setzt uns keine packenden Kriminal- und Abenteuer-Stories vor. Es gibt keinen vordergründigen Spannungsbogen. Er berichtet auch keine sensationellen Katastrophenmeldungen oder apokalyptische Untergangsszenarien. Aber er versteht es dennoch, den Leser ständig an der Neugier zu halten. Er versteht es, die kleinsten und aus globaler Sicht bedeutungslosesten Details interessant zu zaubern und des Lesers Wissbegierde aufzustacheln, so dass er der Lektüre die Treue hält.
Und dazu hat er sich natürlich mit den Zimbern genau das idealtypische Objekt erkoren :-)
Nüchtern betrachtet gäbe es nichts unwichtigeres auf Erden als die letzten Reste eines Sprachzustandes, den die große Mehrheit der Deutschsprachigen schon seit über tausend Jahren beiseite gelegt hat.
Und doch: Es hat was!
Es hat die unwiderstehliche, magische Anziehungskraft des alten Adels, der gefallenen Größen von einst, die sich aber dennoch ihre hergebrachte Würde über die Jahrtausende bewahrt haben.
Nach der Lektüre weiß der Leser jedenfalls sehr viel über die Zimbern (und über die Assyrer und Karaimen, und natürlich auch über den besonnenen Autor), ohne dass er das Gefühl hatte, in eine Veranstaltung der Volkshochschule geraten zu sein, sondern in ein stimmungsvolles, atmosphärisch dichtes Textgewebe.
Und er freut sich auf das nächste Buch von Gauß ;-)